Autor: Freerk

11.03.2023

Ich wache früh auf. Nach einem längeren Spaziergang mit Abstecher in den Drogeriemarkt und die Apotheke, nachdem ich Wohnzimmer und Schlafzimmer gesaugt habe, einige Mails beantwortet und Rechnungen bezahlt, den Spiegel gerichtet und das Regal abgestaubt, die Wäsche abgehängt und die Gästematratze neu bezogen, den Kalender kontrolliert und die Einkaufsliste aktualisiert und dabei zwei Feature, einen Vortrag und ein Hörspiel gehört habe, muss ich mich erst mal wieder hinlegen. Offenbar bin ich wohl doch noch nicht wieder gesund. Warum bin ich denn so erschöpft? Es ist doch noch nicht mal Mittag und ich habe heute doch noch gar nichts gemacht!

10.03.2023

Die Haftknete hält auf der Raufasertapete nicht wie angepriesen und der Schleim dafür zu gut in meinem Kopf. Maximal dreimal am Tag und nicht länger als eine Woche, betont die Apothekerin, als sie mir das Nasenspray und eine Packung Taschentücher reicht. Aber Medikamente sind ja auch nur Drogen und da brauche ich meistens eine höhere Dosis, also lege ich nach, ohne zu warten. Es fühlt sich an, als wäre hinter meinen Augen ein Luftballon bis zur Belastungsgrenze aufgepustet. Einmal aus Versehen nach innen statt nach außen geniest und alles explodiert. Geht hoffentlich nicht, will ich mir aber trotzdem nicht vorstellen. Schmerzfrei schlucken funktioniert dafür jetzt wieder. Das ist super. Appetitlosigkeit habe ich nämlich noch viel seltener als Fieber.

09.03.2023

„Ich wünschte, ich könnte meinen Kopf einfach ausknipsen.“
„Frag Freerk, der hat für alles eine Creme.“
„Hast du eine?“
„Natürlich“, sage ich und hole die Herzcreme aus dem Medizinschränkchen der Küche. Die schmiere ich ihr aufs Display, damit sie nicht die ganze Nacht darüber nachdenken muss, ob und was sie antworten soll.
„Sanft im Uhrzeigersinn einmassieren und dann kräftig pusten.“

08.03.2023

Raus in den Wald
Besichtigungstermin im Unterholz
Astgabelinspektion und testliegen im Moos
Ja, das passt
Wir haben Interesse
Auf zu neuen Nadeln

07.03.2023

„Ach, wenn ich eh von zu Hause arbeite, mit dem schnellen schicken Laptop und den teuren Kopfhörern, die man mir gegeben hat, und wenn ich sonst heute eh nur im Bett liegen und Videos schauen würde, – so schlimm sind die Kopfschmerzen und das Halskratzen ja nicht, nur kraftlos fühle ich mich – also wenn ich eh nicht am Schreibtisch sitze, sondern im Bett liege, dann kann ich ja auch da ein bisschen arbeiten, dann ist das wichtige erledigt, falls ich morgen wirklich krank werde und produktiver als nur herumzuliegen ist es auch.“

06.03.2023

Mein letzter Erste-Hilfe-Kurs ist jetzt auch schon wieder fast zehn Jahre her, aber weil mir der Zusatzkurs für die Erstversorgung in Krisengebieten so noch gut im Gedächtnis geblieben ist, gelingt mir der Kompressionsverband trotzdem. Schussverletzungen, Schlangenbisse und Bänderrisse sind zwar schwer zu vergleichen, aber auch Badmintonopfer verdienen mein bestes Sanitäterlächeln.

05.03.2023

Menschen suchen ihren Kopf, Puppen ihre Körper. Aufgespießt auf einen Karton beobachten sie uns mit ihren chinesischen Glasaugen aus der Zimmerecke dabei, wie wir das Handbuch der Nähmaschine studieren. Die Farbe auf ihren Nasenspitzen ist noch nicht ganz trocken und schon bekommen sie unruhige Füße.