04.08.2020

Ich sehe zwei Menschen vor mir, die sich eigentlich sehr gern haben, die sehr vorsichtig und liebevoll miteinander umgehen wollen, die sehr schlau sind und aufmerksam, aber die halt auch sehr oft – und zwar mit den allerbesten Intentionen – über die Gefühle direkt ins Wie, Warum und Wieso springen.

Oder zumindest bleibt mir das im Gedächtnis. Das, und der Wespenstich im Mund. Zum Glück nur im Gaumen, zum Glück reagiere ich kaum auf Insektenstiche und zum Glück hatte ich damit die perfekte Ausrede den Rest des Tages Eis zu essen.

03.08.2020

Man kann das Seltsame und Gruselige bei Mark Fisher von beiden Seiten der Anwesenheit her denken und bestimmt sagt es etwas über einen aus, wie herum man es erzählt. Das eine ist die sehr präsente und beunruhigende Abwesenheit von etwas, das andere die Anwesenheit, die eigentlich nicht sein dürfte. Ich neige dazu, es andersherum zu denken.

Ähnlich ist es mit der Sehnsucht nach einer bestimmten Art von Erlebnissen, die für sich stehen. Entweder werden diese Momente als aus der Zeit gefallen, oder als bewusste Inseln in einem Ozean der Zeitvergessenheit beschrieben. Ich neige dazu, mich festzuklammern, bis mich die eigene Erschöpfung kränkt.

02.08.2020

Irgendwo habe ich die Couchsurferin schon mal gesehen. Mir ist als hätten wir schon mal zwei Jahre miteinander verbracht. Sie riecht gut. Erinnert mich an jemanden. Aber die Person hat nie Ketten getragen.

01.08.2020

Im Tiergarten treffe ich auf die Covidioten, dabei wird auf Twitter gesagt, dass man die nicht mehr so nennen soll, weil es klassistisch sei und die Bedrohung, die von dieser Querfront ausgehe, verharmlose. Aber sind die nicht harmlos, diese älteren stämmigen Männer, mit kariertem Kurzarmhemd, Kaki-Hose und lichtem Haar? Schon, und gleichzeitig die größte Gefahr seit dem Kalten Krieg, denn sie haben nichts und deshalb alles zu verlieren.

31.07.2020

Bis auf ein finanzielles Missverständnis (je älter ich werde, desto häufiger bin ich mir Dingen sicher, die offensichtlich gar nicht so sicher waren – sehr bedenklich) sehr idyllisch. Abzüge für beide Desserts, aber sonst volle Punktzahl.

30.07.2020

Tag vergessen, als hätte es ihn nicht gegeben.

29.07.2020

Die Performance heißt Dissolving Binaries (Male/Female|Human/Nature|Performer/Audience) und zumindest ein bisschen Auflösung gibt es wirklich. Am Ende stehen (jedenfalls für einen Augenblick) nicht mehr die coolen Berliner:innen am Rand des Waldes, die darauf warten sich in die Liste einzutragen, auf der sie mit einer Unterschrift ihre Bildrechte abtreten, sondern “nur” eine Gruppe von Menschen auf einer Lichtung, die kurz vorher noch Bäume umarmt, und sich gegenseitig Stein und Moose zum Betasten gereicht haben.

Musik, Gedankenimpulse und kleine Aufgabe. Viel hätte man weglassen können, die neonfarbenen Schnüre zwischen den Bäumen genauso wie die Tanzeinlage am Anfang; auf den kleinen Waldbühnen passierte auch schon genug, ohne das etwas hätte geschehen müssen. Aber das ist eine Vertrauensübung für Fortgeschrittene.