01.10.2026

Achtung, wenn du nach Hause kommst: Ich habe mich seit einiger Zeit nicht mehr getraut aufzustehen, denn dann würde das Bett quietschen und vielleicht auch die Dielen und dann müsste ich das Ladegerät vom Babyphone suchen und am besten die Tür vom Schlafzimmer schließen, aber auch die quietscht manchmal, genau wie der Tränensack an meinem linken Auge, wenn ich darauf rumdrücke und ich muss gestehen, dass es da auch um Bequemlichkeit ging, nicht nur um Fürsorge, gefolgt vom schlechten Gewissen, denn soweit ich mich noch erinnere, sieht die Küche richtig schlimm aus.

30.09.2026

fazit
nach vier jahren gruppentherapie
immer noch nicht übermensch
oder wenigstens unfehlbar
immer noch die gleiche härte
aber weicher gehalten

29.09.2026

Am Ufer sitzen Leute und schauen schweigend dem Kran zu, wie er im Abendlicht Kohle vom Schiff aufs Förderband des Kraftwerks schaufelt. Ich erkenne einen. Ein bekannter DJ, der in seinen Pommes stochert und die Currywust nicht anrührt. Er trägt keine Kopfhörer, aber ist trotzdem in Musik vertieft. Die Party muss weitergehen.

28.09.2026

Weil die Boxen auf dem E-Piano stehen, klingt es manchmal so, als würde ein Geist Klavier spielen. Zum Glück übt er genau wie ich nicht besonders oft.

27.09.2026

Beim Aufschreiben von Restaurantempfehlungen Fernweh bekommen, zum Kühlschrank wackeln und die Tanzkurse vermissen, dramatisch auf einen der Stühle fallen und überlegen, wann ich das letzte Mal im Theater war, filmreif seufzen und beim letzten Kinobesuch endgültig passen müssen.

26.09.2026

Bis Hüfthöhe mit einem Diamantschleifer alle Kanten entfernen, dann alles bewegliche festkleben und jede Lücke mit Schaum ausfüllen. Jetzt ist die Wohnung krabbelsicher, aber leider auch extrem langweilig (und etwas giftig).

25.09.2026

Jetzt, wo die Abende wieder kühler werden, rückt man im Chat der Siedlung zusammen. Sich zu echauffieren kann schließlich auch ein gemeinschaftsstiftendes Hobby sein, bei manchen gar eine Kunstform.

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Kernproblem, dass es nicht für jedes der neuen Straßenschilder ein eigenes Bürgerbeteiligungsverfahren gab und dass einmal getroffene Entscheidungen für die nächsten einhundert Jahre nicht mehr verändert werden können.

Selbst auf der niedrigsten untersten Ebene werden dem Bürger Ergebnisse vor den Latz geknallt und verwandeln ihn in einen dumpfen staatsverdrossenenen Befehlsempfänger. Das ist finsteres Mittelalter! Zwei Daumen hoch. Ein Herz.