14.10.2026

Weil der Turmfalke ruft, sehe ich hoch und dass die Büros jetzt bezogen sind. Es ist eine Bank, aber hinter den Schießschartenfenstern ist kein einziger Geldsack zu erkennen, keine Goldbarren, kein Tresor, geschweige denn Münzberge. Bärtige Männer mit Stock und Zylinder sitzen in farbenfrohen Meetingmöbeln und träumen.

13.10.2026

Nach ausgiebigen Vorsondierungen haben das Kopfkissen und ich entschieden, dass wir bereit sind, nach einer gemeinsamen Liegeposition zu suchen. Die Frage des Bezugs soll und darf dem Schlaf dieser Stadt nicht im Weg stehen.

12.10.2026

Natürlich ist 45.000 Euro viel Geld für eine Küche, aber ja auch nur ein halbes Auto, und überleg mal, die Küche ist ja dein Reich als Mutter, du verbringst ja schließlich mehr Zeit in der Küche als im Auto; also wenn du dir nicht mal das selber wert bist, dann weiß ich auch nicht, wie ich dir Ragebait erklären soll.

11.10.2026

Wir besichtigen einen großen Kleingarten, und ich könnte mir das ja vorstellen, wenn das Leben in dem gerade Platz dafür ist, bereits im Preis enthalten wäre. So oder so ähnlich sage ich es dann auch duckend auf dem Heimweg. Wie bin ich in dieser Beziehung eigentlich zur Enthusiasmusbremse geworden? Ich versuche, das Thema möglichst begeistert zu wechseln.

10.10.2026

Die Versuchung ist sehr groß, bei jedem in den Kinderwagen gesäuselten „Und wie alt bist duuuu?“ besorgt mit „Äh, sie kann noch nicht sprechen.“ zu antworten, als würde ich mir ernsthaft Sorgen um mein Gegenüber machen. Aber tatsächlich stammle ich natürlich nur überfordert etwas und das Gespräch verebbt, weil ich von der Erwartung ohne Blickkontakt abgelenkt die Gesprächseinladung verpasse.

09.10.2026

Das Kleinkind im Schlaf mit Tippgeräuschen von YouTube konditionieren, damit es später immer müde wird, wenn es mich beim Schreiben stören will.

Ich könnte natürlich auch selber tippen, aber ich muss mich mit lustigen Dingen im Internet ablenken, denn wer von sich selbst enttäuscht ist, wird zumindest nicht negativ überrascht.

Hier zum Beispiel: Ein T-Shirt mit der Aufschrift „Schlank würde ich dich nur unnötig geil machen!“. Absoluter Megabrüller. Dass es das nur für Frauen auch in S und XS zu kaufen gibt, macht den Witz noch besser.

08.10.2026

Das Ding mit der Energiewende ist ja, dass es lange unsichtbar war, woher unser Strom eigentlich kommt. Du musstest schon an einem Kraftwerk vorbeifahren oder an einem Braunkohletagebau, um etwas davon mitzubekommen, während jetzt eben Windräder in der Landschaft stehen und die Fotovoltaikplatten auf den Dächern.

Mit den Kabeln ist es genau andersherum: Seitdem alles mit USB-C geladen wird, hängen in unserer Wohnung weniger davon aus den Ecken heraus, weil es sich falsch anfühlt, mehrmals den gleichen Anschluss über die Sofalehne baumeln zu lassen. Aber die Zahl der Geräte ist ja noch dieselbe, tendenziell sogar gestiegen. Also stöpseln wir uns ständig gegenseitig ab.