06.10.2026

Da in der Wohnung erst kein Platz mehr für ein Arbeitszimmer und dann für einen Schreibtisch war, fahre ich zweieinhalb Tage die Woche zum Arbeiten in einen Co-Working-Space, der sich wahlweise Studio oder Atelier nennt und der, wie viele selbstorganisierte Räume, ein Problem damit hat, wer wann welchen Müll rausbringt. Seit dem Besuch einiger Ratten gibt es deshalb die Regel, den Bioabfall am Ende des Tages in die Tonnen im Hof zu bringen. Wenn ich spät dran bin oder – was wahrscheinlicher ist – zu faul für den Weg in den Hof, nehme ich meinen benutzten Kaffeefilter oder Teebeutel einfach mit bis zum nächsten öffentlichen Mülleimer.

Weil es zwischen dem Eingang und der Laterne, an der ich mein Fahrrad anschließe, allerdings keinen gibt, fahre ich mit dem feuchten Papier meistens ein ganzes Stück, bis ich an einen Mülleimer komme, der so günstig steht, dass ich höchstens leicht abbremsen muss, um ihn sicher zu treffen.

Es gibt aber auch die Tage, an denen ich auf dem Heimweg so in Gedanken bin, dass mir erst an den letzten Ampeln vor meiner Haustür wieder auffällt, was ich da noch in der Hand halte. Und es gibt die Tage, an denen ich dieses kleine, kalte Etwas gar nicht loslassen will, weil ich die Vorstellung mag, dass niemand ahnt, dass ich da einen ausgewrungenen Kaffeefilter in der Hand versteckt halte, oder weil es mich irgendwie beruhigt, etwas zu spüren, das mich und meine Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt hält. Meine Sicherheit hängt an einem Teebeutelfaden.

05.10.2026

Nicht nur in der Apotheke, sondern auch beim Bäcker stets den Eigennamen ausweichen und vage verbal in eine Richtung deuten. Was für den Hals, mit Streusel, ja links das Grüne da.

04.10.2026

Traum: Markus Söder nimmt sich Zeit, mir im Karstadt bei der Suche nach so kleinen Gewichten für Tischdecken und Vorhängen zu suchen. Das finde ich sehr freundlich, aber ich wundere mich doch etwas, dass er, wie er sagt, heute eh nichts mehr vorhat.

03.10.2026

Saunafestivals sind auch nur normale Festivals:
– Boa bin ich am Schwitzen.
– Hast du genug Wasser getrunken?
– Wo sind die anderen?
– Keine Ahnung, ob sich das mit Alkohol verträgt.
– Ich glaub, ich halte nicht mehr lange durch.
– Wir treffen uns beim Awarenesszelt.

02.10.2026

Vor dem Haus führen sich Jugendliche ihre gehackten E-Scooter vor. Weil die Roller trotz ihrer beeindruckenden Geschwindigkeit so leise sind, sind auch die Triumphrufe ihrer Besitzer eher verhalten.

Schade, denke ich, aber muss dann wieder an die Arbeit. Ich wurde zum Kletterfelsen befördert. Sagt auch die Waage. Ich wollte nie bouldern, jetzt bin ich die Halle. Sicher alles Muskelmasse.

01.10.2026

Achtung, wenn du nach Hause kommst: Ich habe mich seit einiger Zeit nicht mehr getraut aufzustehen, denn dann würde das Bett quietschen und vielleicht auch die Dielen und dann müsste ich das Ladegerät vom Babyphone suchen und am besten die Tür vom Schlafzimmer schließen, aber auch die quietscht manchmal, genau wie der Tränensack an meinem linken Auge, wenn ich darauf rumdrücke und ich muss gestehen, dass es da auch um Bequemlichkeit ging, nicht nur um Fürsorge, gefolgt vom schlechten Gewissen, denn soweit ich mich noch erinnere, sieht die Küche richtig schlimm aus.

30.09.2026

fazit
nach vier jahren gruppentherapie
immer noch nicht übermensch
oder wenigstens unfehlbar
immer noch die gleiche härte
aber weicher gehalten