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[fach]blog [für [m[einen]] [all]tag]

24.04.2018

Der Gastdozent referiert feuilletonpastoral von den Ursprüngen des Hörspiels und zitiert dann tatsächlich durch seine dicke Brille aus dem 1. Buch Mose. Nur in freiwilligen Hörspieltheorieseminaren an Kunsthochschulen kann man so wunderbar folgenlos übernächtigt in Gedanken aus dem Fenster starren. Außerhalb mahnt die äußere Innenwelt, aber hier hört man nur eine Klangcollage aus den 1960ern und das nervöse Klicken eines Kugelschreibers.

22.04.2018

Drei rätselhafte Enden:

1. Hochdeutschland  – Alexander Schimmelbusch

Auf 200 Seiten großartige (und hoffentlich übertriebene) Exposition folgt plötzlich ein Kapitel in der Zukunft und dann ist Schluss. Wie vom Verlag – oder noch schlimmer – vom Autor aufgezwungen.  Irgendwie sehr deutsch, im ängstlichen Sinn des Wortes. Mittendrin und dann für den Rest des Tages:

„Unser Schattenkabinett rekrutiert sich aus der wirtschaftlichen Funktionselite unseres Landes, was einigen als unappetitlich erscheinen wird, im Jahr 2017 aber unabdingbar ist: Denn nur, wer unser verworrenes System von innen kennt, wird in der Lage sein, es durch ein faires, transparentes und wettbewerbsfähiges System zu setzen.“

Das klang bei Robert Habeck heute im Radio noch anders. (Aber der hat auch keinen [Satire-]Podcast.)

2. The Florida Project (2017) – Sean Baker

Die Kamera wechselt für die letzte Szene schlagartig vom 35-mm Film zum Zeitraffer-iPhone. Zum ersten Mal im Film setzt Musik ein, man sieht die Mädchen nur von hinten laufen und ich bin mir nicht sicher, ob ich das alles konsequent oder doof finden soll. (Willem Dafoe, was meinst du?)

 

21.04.2018

Ist eine Nachricht, die man wieder löscht, bevor die Empfängerin aufwacht, die also ein paar Stunden unbemerkt neben dem Bett liegt, um sich dann wieder aufzulösen, die ihre Benachrichtigung, ihr Vibrieren und ihr Blinken wieder zurücknimmt, die so tut, als wäre nichts gewesen; ist so eine Nachricht jemals wirklich da weg gewesen?

20.04.2018

Herzlichen Glückwunsch und mein Beileid, wir sehen uns dann beim Abendessen nach der Podiumsdiskussion wieder. Du als Staatssekretärin und ich als europäischer Intellektueller, denn wer groß träumt, schläft tiefer.

Das sollte uns beide außerdem für eine Weile beschäftigt halten. Zumindest Französisch muss ich dafür nämlich noch lernen.

19.04.2018

Zwischen dem Landwehrkanal und den Hyänen.
Zwischen der Böschung und einem Zaun.

18.04.2018

„Who remembers playing with these as a kid? <3“

Die in diesem Meme referenzierte und selber zum Meme gewordene 90er-Nostalgie hat weniger mit dem tatsächlich Vergangenen zu tun, als mit einer imaginären Vergangenheit, die unsere Ängste um die Gegenwart besänftigt. Im Bild klingen die Artefakte seiner Bewegung durch die sozialen Medien nach. Es schwingt.

17.04.2018

A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again (David Foster Wallace [Frühstückstisch und Bett {“Großartig detailverliebter Exzessekel auf hoher See.”}]) , Der kurze Brief zum langen Abschied (Peter Handke [Tiergarten {“Was will der damit? Egal. Es funktioniert.”}]) und verschiedene Aufsätze aus Resonanz. Potentiale einer akustischen Figur (Hrsg. v. Karten Lichau, Viktoria Tkaczyk und Rebecca Wolf [Bibliothek{“Was produziert den Eindruck antisemiotisch-ereignishafter Unmittelbarkeit?”}]).