27.01.2022

Ich war tapfer beim Arzt, aber statt Eis gibt es trotzdem Trost, ein von Judith Schalansky gestalteter Band mit vier fünf Essays von Hanna Engelmeier, bei dem die Aufgabe angeblich war, das Cover bloß nicht nach Selbsthilfeliteratur aussehen zu lassen. (Es ist immer dasselbe, eigentlich hatte ich die Buchhandlung natürlich nur betreten, um meinen Vorrat an Postkarten für alle Gruß- und Geburtstagsfälle zu kaufen. Statt in Mark reche ich in Tanzstunden um.)

Mein Hausarzt zeigt mir eine Morddrohung, die er vor Kurzem bekommen hat. Zwei Seiten, eng handschriftlich geschrieben und wirr formuliert, aber die Botschaft ist eindeutig. Auch lyrisch formuliert ist eine Enthauptung eine Enthauptung. Seine Sprechstundenhilfe hat auch eine Kopie bekommen, jetzt macht er erst mal für ein paar Tage die Praxis zu.

26.01.2022

Schlechte Sichtverhältnisse und die fehlende Brille sorgen beim Joggen dafür, dass ich von den Demonstranten am Ende der Paradestraße nur die Blaulichter der Absperrungen sehe. Besser so.

25.01.2022

„Schreiben ist wie schlafen“, behauptet die selbsternannte Prokastinationsexpertin in ihrem Podcast, nachdem sie einen selbsternannten Schlafexperten in einem Fitnesspodcast über erholsamen Schlaf hat reden hören. Es gehe um Tiefe, Dauer, Kontiunität und Regelmäßigkeit. Soweit so gut und schnell wieder vergessen.

Später, auf dem Fahrrad, taucht das Thema wieder in einem Podcast von zwei selbsternannten Laberexperten auf. Einen von beidem falle das zu Bett gehen leichter, seitdem er jeden Morgen schreibe, außerdem schlafe er besser. Und schon diese Dopplung reicht aus, damit ich meinen Blick von der Straße kurz zum Himmel wende um ein „ist ja schon gut, habe verstanden“, in den Nieselregen zu nuscheln. Ich bin einfach zu überzeugen, aber ein bisschen Umworben werden will ich dann ja doch.

24.01.2022

Um acht Uhr sitze ich vor dem Laptop auf der Seite des Bürgeramts und um viertel nach habe ich einen Termin für um zehn und sogar im selben Bezirk. Irgendetwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu, aber mich soll es nicht stören.

23.01.2022

Wie erzählen wir ein anderes Verhältnis zur Natur, nämlich als Eingebundensein jedes einzelnen darin? Gaia? Wie machen wir eine optimistische Zukunft für die Menschheit vorstellbar? Solarpunk?

Ich probiere den Deep Time Walk aus (und versuche dabei nicht an The Rocky Horror Picture Show zu denken). Einen Audiowalk durch 4,6 Milliarden Erdgeschichte, erzählt über 4,6 Kilometer – zufällig ungefähr so lange wie heute ich nach Hause brauche. Eine Million Jahre pro Meter von der Staubwolke, aus denen sich die Planeten formen, bis zu den letzten zwanzig Zentimeter, in denen der moderne Mensch die Bühne betritt. Mehr davon. Aber mit Gastauftritten von Weltstars und wenn es zwischendurch eine Actionszene und eine Liebesgeschichte braucht, damit wirklich niemand abschaltet, dann bekommen wir die in der Erdgeschichte auch noch unter.

22.01.2022

Erster Besuch im Berliner Schloss Palast der Republik Humboldtforum. Alles ist gut ausgeschildert, nur die Ausstellungen nicht und die Dachterrasse ist ab 16:00 Uhr geschlossen, weil es Wetter gibt. Der Mitarbeiter, den wir danach fragen, zeigt uns Fotos vom Ausblick auf seinem Handy.

21.01.2022

Wer keine Universität mehr hat, der baut sich selber eine. Und wer kein guter Bandenführer ist, sucht nach denen, die es schon gibt. Aber seit wann schalten Revolutionäre Kontaktanzeigen, wenn sei eine neue Zelle suchen.

Fünf Euro für zwei Tafeln gute Schokolade ausgeben, aber dann zu geizig sein, um die Monatsmitgliedschaft für einen Discord Server zu bezahlen?