16.10.2026

Ich muss wohl doch wieder ein analoges Notizbuch führen – das macht am Sandkastenrand einfach den besseren Eindruck als ins Handy zu tippen:

„Vier Arten, den Nachnamen von Hannah Arendt zu betonen: als Orgasmus, als Erkenntnis, als Nieser oder als Pirat.”

Aus dem gleichen Grund wäre es gut, die Haare wieder über die Ohren wachsen zu lassen, damit die In-Ear-Kopfhörer nicht so auffallen. Und dann fehlt eigentlich nur noch diese Brille mit den aufgemalten offenen Augen.

15.10.2026

An meinem freien Abend mache ich es mir so richtig gemütlich. Mittelmäßiges Essen spät vor dem Bildschirm unter Neonröhren mit einem Hauch von Rattenurin und Sportkleidung in der Luft, begleitet vom Streit auf der Straße und hinter mir, dem Rascheln und Knacken in der Wand. Ich bin eben ein Genießertyp.

14.10.2026

Weil der Turmfalke ruft, sehe ich hoch und dass die Büros jetzt bezogen sind. Es ist eine Bank, aber hinter den Schießschartenfenstern ist kein einziger Geldsack zu erkennen, keine Goldbarren, kein Tresor, geschweige denn Münzberge. Bärtige Männer mit Stock und Zylinder sitzen in farbenfrohen Meetingmöbeln und träumen.

13.10.2026

Nach ausgiebigen Vorsondierungen haben das Kopfkissen und ich entschieden, dass wir bereit sind, nach einer gemeinsamen Liegeposition zu suchen. Die Frage des Bezugs soll und darf dem Schlaf dieser Stadt nicht im Weg stehen.

12.10.2026

Natürlich ist 45.000 Euro viel Geld für eine Küche, aber ja auch nur ein halbes Auto, und überleg mal, die Küche ist ja dein Reich als Mutter, du verbringst ja schließlich mehr Zeit in der Küche als im Auto; also wenn du dir nicht mal das selber wert bist, dann weiß ich auch nicht, wie ich dir Ragebait erklären soll.

11.10.2026

Wir besichtigen einen großen Kleingarten, und ich könnte mir das ja vorstellen, wenn das Leben in dem gerade Platz dafür ist, bereits im Preis enthalten wäre. So oder so ähnlich sage ich es dann auch duckend auf dem Heimweg. Wie bin ich in dieser Beziehung eigentlich zur Enthusiasmusbremse geworden? Ich versuche, das Thema möglichst begeistert zu wechseln.

10.10.2026

Die Versuchung ist sehr groß, bei jedem in den Kinderwagen gesäuselten „Und wie alt bist duuuu?“ besorgt mit „Äh, sie kann noch nicht sprechen.“ zu antworten, als würde ich mir ernsthaft Sorgen um mein Gegenüber machen. Aber tatsächlich stammle ich natürlich nur überfordert etwas und das Gespräch verebbt, weil ich von der Erwartung ohne Blickkontakt abgelenkt die Gesprächseinladung verpasse.