03.12.2020

Virtuelle Raummetaphern funktionieren. Ich hänge noch spät in der Lounge herum (weil es da WLAN gibt?), aber habe eigentlich vergessen, dass ich da bin, zu tief steckt der Kopf im Gerät, als plötzliche Bekannte den Raum betreten und mich in den entlegenen Rand ihres Gesprächs integrieren. Und so rutsche ich tiefer in den Sessel und setze das wohlige Lächeln der müden, internationalen Loungegemeinsamkeit auf und warte auf das Gute Nacht.

02.12.2020

„Hallo, ich würde gern ein Päckchen abholen.“
„Kannse dir da hinten aus dem Stapel raussuchen.“

Notiz an mich: Hermes-Pakete nicht mehr in dem Späti mit dem kürzesten Fußweg abgeben lassen, weil die da wie eine Geschenkinstallation mitten im Laden aufgetürmt liegen. Das sieht hübsch aus, wirkt aber nicht besonders sicher.

01.12.2020

Wenn ein Geschwindigkeits- und Streckenrekord nicht getrackt wurde, dann gab es ihn zwar vielleicht als physikalisch beschreibbares Ereignis, aber sozial wirksam wird er so nicht. Was von unserer Runde um den Tiergarten also übrig blieb, war die Müdigkeit, großer Hunger, ein paar offene Fragen (Und wie läuft es mit deinem PhD Projekt? Warum hast du den Job bei M. abgelehnt? Warum sitzt du eigentlich nicht andauernd in Corona Panels?) und die Sorge, dass Karriereoptionen unsere wackelige Wahlfamilie auseinanderbrechen könnte.

30.11.2020

Im Zweifel* Brot backen.

*Die privilegierte Situation, in der ein weißer Mann, konfrontiert mit körperlicher Erschöpfung und geistiger Unterforderung, am Ende des Tages vor einem weiten Möglichkeitsraum steht und sich eingeschüchtert in die Introspektion zurückzieht, um sich der Wahl und der resultierenden Verantwortung für das Ergebnis zu entziehen und den Möglichkeitsraum offen zu halten.

29.11.2020

Die schlechte Laune hatte sich schon am Vorabend angekündigt, die Müdigkeit war wohl ein Effekt und die Kälte eher eine meteorologische Begleiterscheinung. Nach dem Audiowalk (toposoniee::engelbecken) strich ich die veganen Nachtischpläne und entschuldige mich mit Schuldgefühlen, Schokolade und Chips ins Bett, um einen Film (The Million Dollar Hotel [2000, Wim Wenders]) zu schauen. Das hatte ich schon seit Wochen, wenn nicht Monaten nicht mehr gemacht und hätte ich auch nicht, wenn er mir nicht empfohlen worden wäre.

Die Lektion: Auszeiten wieder besser planen, damit sie mich nicht plötzlich als Leerlauf überfallen. Viel zu didaktisch.

28.11.2020

Beerdigungslieder klingen auf einem verstimmten Klavier noch viel trauriger, besonders wenn man alle paar Takte einen Akkord vergreift und nach dem letzten Ton in der Decke Nagetiere zu rascheln beginnen.

27.11.2020

Richtig geile Luxusprobleme. Alle das Ergebnis von Sex, Essen, Zeit und Geld. Vielleicht sollte ich Coach werden oder Webseminare anbieten oder auf Instagram von den tollen Lifehacks erzählen, mit denen ich die Luxusprobleme in Probleme zweiter Ordnung verwandele.