28.01.2023

Gemeinsam müde und zufrieden am Rand der Party sitzen und zugucken.

„Seid ihr zusammen hier?“
„Ne, das sieht nur so aus, weil alle anderen Gäste als Paar gekommen sind.“
„Achso. Und welches ist das vegetarische Haggis?“
„Das größere.“
„Soll ich dir auch einen alkoholfreien Gin Tonic machen?“
„Danke, ich bin noch beim alkoholfreien Riesling.“
„Aber vielleicht ein glutenfreies Caramel Shortbread?“
„Och… da sage ich nicht nein.“

Als ich nach Hause komme, wird im Vorderhaus noch gefeiert. Von unserem Wohnzimmer aus sieht es so aus, als würde gegenüber sogar in der Küche geraucht werden. Wild, denke ich und meine elektrische Zahnbürste erinnert mich daran, dass ich die Seiten wechseln soll.

27.01.2023

Der Trick: Immer eine Sache weniger vornehmen, als entspannt machbar erscheint, dann wird es auch wirklich entspannt und du schlägst auch schon zum Mittagessen das Kochbuch auf, statt dir ein Brot zu schmieren; und das mit dem Tango funktioniert plötzlich auch besser und die Frau, die du aus dem KitKat wiedererkannt hast und die sonst so streng guckt, weil ihre Ansprüche an sich noch höher sind als deine eigenen, was dich überrascht, weil du das eigentlich nicht für möglich gehalten hattest, stellt sich dir mit Namen vor und du buchstabierst ihr deinen.

26.01.2023

Sage mir, welche griechischen Sagenfiguren dich besonders beeindruckt haben und ich sage dir, wer du bist. Mir geht nicht aus dem Kopf, wie Herakles Atlas belügt; ihm, nachdem Atlas die goldenen Äpfel für ihn gepflückt hat, unter einem Vorwand doch wieder mit der Last auf den Schultern zurücklässt, obwohl es doch eigentlich Atlas ist, der sich nicht an die Abmachung hält und Herakles mit der Verantwortung für das Himmelsgewölbe stehen lassen will. Immer nur Mitleid mit Atlas, nie mit Herakles.

25.01.2023

„Da kommen sie aber gerade ganz ungünstig“, sagt der Mann im Paketshop um die Ecke, von dem ich erst seit der Benachrichtigung im Briefkasten gestern weiß, dass es hier neben gebrauchter Elektronik und Geldwäscheangeboten auch Internetbestellungen zum Abholen gibt. „An das Paket komme ich leider gerade nicht ran“, sagt er und deutet auf eine Wand aus Waschmaschinen hinter ihm und weil mein Gesichtsausdruck eine Nachfrage unnötig macht, fügt er hinzu: „Das Regal ist dahinter. Wir bauen gerade um.“ „Aha“, antworte ich, und nach einer kurzen Pause „Verstehe“ und ich verstehe es tatsächlich, denn es handelt sich wirklich um eine beeindruckende Wand. Drei Waschmaschinen hoch und sechs Maschinen breit, fast alles Markenprodukte. Dahinter wartet ein Paket auf mich, von dem ich nicht weiß, was darin sein könnte und das macht die Situation noch viel unbefriedigender. Nachdenklich starre ich die Waschmaschinen an, als würden sie dadurch zur Seite rücken. „Selbst wenn ich an das Paket käme, könnte ich es ihnen nicht geben, weil wir gerade die Kabel neu ziehen und ich nicht ins System komme“, erklärt der Mitarbeiter weiter. „Jaja, das System“, antworte ich geistesabwesend, weiter auf die Waschmaschinen fokussiert: „Ne, klar, am Ende landet man doch immer wieder bei der Systemfrage. Ich komme dann später nochmal vorbei. Vielleicht kommt die Revolution ja noch vor dem Feierabend.“

24.01.2023

17:03 – zwei Bilder

17:06 – „Alien OP. Irgendetwas wurde gepflanzt. Hab nur vergessen was.“

19:06 – „Bestimmt eine Nuss. Bei der weiß man nicht, wie lange sie stumm ausharrt, bevor sie zu keimen beginnt.“

21:57 – „Nein, war ein Diamant und da kam dann Drachenkraft raus.“

22:07 – „Achso. Auf Drachenrücken in Richtung Pferderücken und urlaubsreif zu den Pastéis de Nata getragen?“

22:59 – eine Sprachnachricht

23.01.2023

Der Schein trügt. Das Vorher-Nachher-Bild sieht nach einem anstrengenden Training aus, dabei beginnt und endet die Yogastunde im Liegen und dazwischen passiert auch nicht viel mehr. Ich habe auch keine Ahnung, welcher Tropfen Öl an welche Stelle die Wohnzimmertür dazu gebracht hat, endlich Ruhe zu geben, aber jetzt ist sie still und das Abendessen schmeckt auch ohne die drei Zutaten, für die ich noch mal zum Supermarkt gemusst hätte. Good enough.

22.01.2023

Die Dialoge im neuen Monkey Island Teil fühlen sich für meine Internetohren teilweise sehr langsam an und durch die Bestuhlung mit Tischen hat man im Varietétheater am Abend einen schlechten Blick auf die Bühne, wenn Dinge nah am Boden passieren. Außerdem schmeckt der Dip, den es zu den teuren Chips gibt, nur in Ordnung, aber nicht wirklich gut und auch mit Handschuhen ist es auf dem Fahrrad etwas frisch. Ach, und zum Frühstück gibt es keine rote Marmelade für die Croissants. Kurzum, unmenschliche Zustände, die ich zu ertragen habe.