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[fach]blog [für [m[einen]] [all]tag]

12.07.2019

Wer anderen erzählt wie desillusioniert und realistisch man doch sein, hat eigentlich Angst in einem unachtsamen Moment vielleicht doch loszulassen. Diesen Personen zu sagen, dass man deshalb Mitleid mit ihnen hat, ist zwar ehrlich, aber strategisch weder klug noch besonders hilfreich. Wie immer fiel mir das aber erst auf, als der halbe Satz schon hinter mir lag.

11.07.2019

Sommerfest der Universität der Künste. Und obwohl ich jetzt schon das zweite Mal als eingeschriebener Student dabei bin, bleibe ich doch irgendwie Gast. Das liegt am Gebäude, in dem ich sonst nie bin, an der Kleidung, die ich nicht tragen möchte, aber vor allem an dem großen unsichtbaren Schild über dem Kopf, auf dem  “Kein echter Künstler!” steht. Da hilft es auch nicht eine Gästin zweiter Ordnung an der Hand durch die Gänge zu führen. Übrigens auch zum zweiten Mal, fällt mir immer wieder in regelmäßigen Abständen ein und je betrunkener ich werde, desto glücklicher macht mich das.

10.07.2019

In andere Welten eintauchen, heute: Die psychologische (Nicht-)Betreuung von Geflüchteten.

Geflüchtete leiden zehnmal häufiger als die Allgemeinbevölkerung unter Angsterkrankungen, Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Bis ein Asylantrag durch ist (was Jahre dauern kann), hat man aber quasi gar keine Chance auf eine Therapie und selbst mit Aufenthaltserlaubnis bezahlen Krankenkassen in Deutschland keine Dolmetscher. Außerdem gibt es kaum interkulturell geschulte Therapeut:innen und die für die Abrechnung und Anerkennung bei den Krankenkassen wichtigen Klassifikationssysteme für psychische Erkrankungen wurden an weißen, westlichen Student:innen entwickelt. Ach du kacke…

 

09.07.2019

Thementag im Tiergarten: Bullige Sonnenbrillentypen mit V-Figur und V-Ausschnitt führen überschminkte Essstörungen durch den Park. Wer sich an wem festklammert, ist nicht zu erkennen. Vor lauter Unsicherheit in der Luft, veratme ich mich bei Joggen.

Abends beim WG Casting kommt das Thema dann wieder auf. Gerade die, die nicht so aussehen, betonen, wie wichtig ihnen Essen ist. Aber wie findet man beiläufig beim ersten Date hinaus, ob jemand einen seltsamen Stoffwechsel hat oder sich vor der Spiegelung im Nachschlag ekelt? Ich muss an R. denken, die ich beim Salsa durch die Gegend werfen konnte, weil sie nichts wog und die mir erzählte, dass sie ein Leben lang damit zu kämpfen haben werde. Auch die anderen verlassen gedanklich kurz den Raum. Stumm einigen wir uns, es bei angedeuteten Erinnerungen zu belassen und weiter zu suchen.

08.07.2019

Wenn der Titel einer Hausarbeit dir viel zu einfach und unliterarisch vorkommt, dann ist er wahrscheinlich richtig gewählt:

Was der Anfang erzählt. Eine vergleichende Analyse von Podcasts.

07.07.2019

Vom Leben an der Bedarfshaltestelle,
Kolumnen eines nestbauenden Großstadtflüchtlings.

06.07.2019

Wernsdorf 2019: Brennende Quellen anzapfen, aber als Safe Space.