16.05.2024

Schlecht angezogen und schlecht vorbereitet im Ballett. Erst wundere ich mich über den langen Applaus vor der Pause und dann, wie anders es in der zweiten Hälfte weitergeht, bevor ich endlich verstehe, dass es sich um zwei verschiedene Stücke handelt. Das kommt davon, wenn man Tickets so weit im Voraus kauft. Nichts weiß ich mehr und für das Fazit der Einführung komme ich auch zu spät. Durch die eingeschränkte Sicht von meinem Sitzplatz aus bleiben mir immer wieder leere Bühnenmomente, in den sich meine Sorge über die unbeantwortete Nachricht vom Morgen ins Blickfeld schieben kann. Die melancholische Musik macht es nicht besser.

15.05.2024

Sag mal, jetzt wo wir mal alleine sind, oder sag mal, jetzt wo wir alleine sind, so genau wusste ich es dann auch nicht mehr, wie sie es gesagt hatte, vor der Verabschiedung, obwohl es mir im Nachhinein unglaublich wichtig erschien, um korrekt von dem Gespräch erzählen zu können. In Untertönen lauern doch so viele Minen. Da wird aus einem mal schnell ein endlich und daraus gar Sehnsucht und eine ganze Kette von möglichen Komplexitäten, die Beziehungsgewebe belasten.

14.05.2024

Sonnenstürme
Sonnenstrahlen
Sonnenbrand
und Sonnen malen
Papa nach der Sonne fragen
After Sun
für Sonne zahlen
immer wieder Sonne sagen

10.05.1993

Das auch über Berlin Polarlichter zu sehen gewesen sein sollen, lese ich erst, als es schon wieder hell wird und ich auf dem Balkon das Durchatmen zwischen dem Aufräumen und dem Schlafen gehen herauszögere. Ab jetzt dürfen die Vögel weitersingen. Die scannen die QR-Codes an den Bäumen und fügen Songs zur Hofplaylist hinzu. Das Begleitzwitschern lässt sich stufenlos regeln. Im Katalog sind alle Hits der Frühschicht. Wenn sie wollen, dann leihe ich ihnen auch gerne meine Lichtmaschine aus. Angeblich stimmte heute sogar die Farbe.

05.09.2024

Die Eisdiele ist nicht die beste, aber die einzige, die es hier gibt und das erzählt die Schlange vor der Tür natürlich nicht, sie quengelt und drängelt nur gierig und will noch eine Kugel mehr, mindestens, eigentlich lieber einen Eisbecher, mit Sahne und Streuseln, den bunten Streuseln und noch auf gar keinen Fall nach Hause.

04.05.2024

Als ich nach seinem Garten frage, erzählt M., dass er 10 Jahre gegen das Unkraut gekämpft und dann angefangen habe, mit den Pflanzen zu reden. Jetzt suche sie sich ihren Platz. Das finde ich an sich sympathisch, aber so sieht es auch sonst hier aus. Nach viel versandeter Arbeit und angefangenen Projekten, denen irgendwann die Luft ausgegangen ist. Jeden Abend höre ich ihn eine halbe bis dreiviertel Stunde am Klavier. Klimpern nennt er das gegenüber seiner Tochter. Ziellos, genauso wie er manchmal langsam durch den Garten geht und dabei mehr nach links und rechts zu schwanken zu scheint als andere Menschen. Eine Hand in der langen grünen Gartenjacke mit aufgestelltem Krage. Typ verarmter Landadel mit müden Jazzfingern.

03.05.2024

Irgendwann in der Nacht wache ich auf und es ist viel zu dunkel und ruhig. Das Knarzen des Betts erinnert mich daran, wo ich bin: Im AirBnB in der Uckermark, bei M. und seiner Tochter Rosa, die gerade in einer Märchen- und/oder Prinzessinenphase ist und dieses Jahr in die Schule kommt, aber nicht hier, sondern bei ihrer Mutter.

Um den neuen Füller einzuschreiben, wiederhole ich immer wieder das Wort „Maikäferkollision“ und trinke dabei anderthalb Liter schwarzen Tee in der Morgensonne. Nachdem auch alle andere notwendigen Worte zu Papier gebracht sind, setze ich mich wieder aufs Fahrrad und fahre so lange bis es wieder spät genug ist, um den Tag am See zu beenden.