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06.05.2019

„Erzählen bedeutet eine Entlastung vom Schock des Neuen, Fremden und Abweichenden. Der phänomenologische Raumtheoretiker Hermann Schmitz nennt diesen Schock, der einer Handlungshemmung gleichkommt, ‚primitive Gegenwart’, in der Ich, Hier und Jetzt zusammenfallen. Erst durch die Dehnung der Zeit entstehe Reflexions- und Handlungsraum. Diese Dehnung kann durch das Erzählen erfolgen, indem die gemachte Erfahrung in gestaltete Rede verwandelt wird. […] Durch das Erzählen wird wieder eine Raum-Zeit gewonnen, also zeitlich nah vorne (Projektion möglicher Handlungsalternativen) wie nach hinten (Erinnerung an bereits gemachte und bearbeitete Erfahrungen). Hermann Schmitz spricht in diesem Zusammenhang von ‚entfalteter Gegenwart’.“

So wie T. Düllo (Abwegen und Abschweifen. Versuch über die narrative Drift, 2015) es beschreibt könnte der Schock auch das Gespräch sein, von dem ich aufgeregt im Flur berichte, noch während ich mir die Schuhe ausziehe. Bei H. Schmitz (System der Philosophie, Bd. 3: Der leibliche Raum, 1967)  klingt die „primitive Gegenwart“ aber viel bedrohlicher und seltener. Viel primitiver:

„Bei heftiger Angst sind für den Geängstigten die Momente Hier, Jetzt und Ich nicht mehr zu unterscheiden. […] Der tief Geängstigte will nicht mehr speziell das Hier oder das Jetzt verlassen, sondern er will sozusagen nur überhaupt noch weg, er will ausbrechen aus einer Enge, in die er sich getrieben fühlt. […] Wenn Angst oder Schmerz den Menschen ganz beherrschen, ist ferner die Enge, in der Hier, Jetzt und Ich zusammenschmelzen, das einzige unverwechselbare Dieses, das sich dann noch abhebt; alles Übrige tritt in gleichgültige Verschwommenheit zurück, und die sämtliche sonst über das Erlebnisfeld verstreute Eindeutigkeit kristallisiert gleichsam aus zu der isolierten Spitze, wovon der Mensch nicht loskommt, während er mit aller Gewalt fortstrebt. In dieser Spitz drängt sich dem Geängstigten oder Schmerzgepeinigten überdies unweigerlich das wirklich Dasein von etwas auf, und zwar mit unbezweifelbarer Gewissheit, weil mit der Distanz des Ich von der Enge auch die Möglichkeit des Zweifels verschwunden ist. Dieses Dasein ist dem Dieses, Hier, Jetzt und Ich um s stärker zu Ununterscheidbarkeit verschmolzen, je gebieterischer und zugleich ohnmächtiger der Impuls ‚Weg!’ und je schlichter damit die Enge ist, worin dieser Impuls aufgehalten wird. Diese schlichte Enge – den Zusammenfall der fünf Momente Hier, Jetzt, Dasein, Dieses und Ich – bezeichne ich als primitive Gegenwart.“

Wie Passt das zusammen, ein besonderer Schmetterling und ein Trauma?

05.05.2019

Notiz an mich: Öfter zu Abenteuern einladen, ohne vorher zu wissen, was das Abenteuer sein wird. Unter Druck irgendwas Sprichwort.

04.05.2019

Die Seminarbeschreibung hat alles, was ein spannendes, fragwürdiges und unbedingt unnötiges Kunstkopfprojekt braucht. Die Umsetzung ist deshalb gar nicht mehr notwendig, du Fotze:

Die Fuge als Verbindungsstelle zweier Körper wird im Bauwesen als toleranzbedingter Spalt zwischen zwei Materialien angelegt, wenn eine Baugruppe nicht einteilig gefertigt werden kann. Wie lässt sich die Funktion des Pöbelns nutzen? Kann Pöbeln präventiv angewendet werden, um wie bei der Dehnungsfuge einer Entstehung von Spannungsrissen (im Gesellschaftsbild) zuvorzukommen?

Pöbeln im Kontext (PiK) betrachtet hierarchische Grenzen im urbanen und akademischen Raum in aufführenden Praktiken. Im Austausch mit Parkbankbe-sitzern stellt sich die Frage: Wie umgehen, miteinander? Beleidigen und “Blöd kommen” dienen dabei als frontale Mittel der Hinterfragung von Interessenskonflikten. Es geht darum Wege und Handlungsmöglichkeiten ausloten und dabei präzise zu pöbeln.

 

03.05.2019

Zu merken, dasw ich hier richtig bin, weil ich aufrechter gehe, weil ich zwischendurch ohne nachzudenken zur Musik wippe, weil ich die anderen Teilnehmer:innen anlächele, weil ich das vergleichsweise eng anliegende Oberteil in die Hose gesteckt habe, weil mich die Spiegel (meistens) nicht stören, weil ich noch Stunden später glühe und weil ich mich freue, das der Kurs nächste Woche eh ausfällt und ich darum nichts verpasse.

02.05.2019

Zwei Tafeln Rittersport kämpfen gegen die Bürolampe. Sie hat drei Lichtfarben: Study, Read und Relax. Alle drei sind unangenehm, aber vielleicht weil alle drei die Situation falsch beschreiben. Study, Read, nervige Fleißarbeit, die eh in ein paar Jahren von Computern übernommen wird mit regelmäßigen Blicken in die verschiedenen Social Media Accounts und Relax.

01.05.2019

 Maibowle und Kaffee und Pizza und Sonne und Pläne und ein Prachtpo.

30.04.2019

Liebes Tagebuch. Ich hatte mir ganz genau ausgemalt, wie der Tag sein sollte. Energetisch. Kraftvoll. Strotzend vor Zielstrebigkeit und Tatendrang. Aber dann bin ich einfach im Bett liegen geblieben und war dann schlecht drauf bis ich Zitronenschnecken gebacken habe. Die sind im Grunde wie Zimtschnecken, nur mit Zitrone statt Zimt.