04.01.2021

Angeblich stehen die tödlichsten Monate noch bevor. Die ersten Intensivstationen sind voll ausgelastet. Ich kann und will also nicht so tun, als wäre nichts und versuchen zu Hause eine virtuelle Heimnormalität aufrecht zu halten, aber gleichzeitig will ich auch nicht in die Dunkelheit scrollen.

Wie könnte als ein Ritual oder eine Routine aussehen, dass ich wie den Tee am Morgen oder meine Einträge hier in den Tag aufnehmen kann, bei dem ich mich der Ausnahmesituation gewahr werde, ohne mich ihr auszuliefern?

Vielleicht etwas mit Geruch? (Aerosole) Oder mit einem Spritzer aus der Sprühflasche? (Tröpfchen) Vielleicht ein duftender Nebel? Ein Zaubertrank, mit dem ich mich benetze? Einen Schutzzauber, durch den ich am Morgen in die Restnormalität trete?

03.01.2021

Star Wars: The Rise of Skywalker (2019)
Death to 2020 (2020)

02.01.2021

Wenn es keine Schokolade mehr gibt, dann tut es um Mitternacht auch eine Packung Marzipanrohmasse.

01.01.2021

Manchmal frage ich mich ja, wofür ich jeden Tag meditiere. Ich kann noch immer nicht über dem Boden schweben und schon gar nicht im Lotossitz, und ich rede auch immer noch ständig drauf los, ohne vorher nachzudenken, oder merke zu spät, dass ich eigentlich nur Hunger aber. Aber dann bekomme ich Schluckauf, weil die Nudelsoße zu scharf war oder weil ich hinterhältig gekitzelt werde und dann konzentriere ich mich auf meine Körpermitte, atme den davon und fühle mich für ein paar Minuten wie ein langbärtiger Fakir.

31.12.2020

Brauchen wir Sekt? Es gibt doch eh nichts zum Anstoßen und ab 14 Uhr darf kein Alkohol mehr verkauft werden. Ne, dann nicht. Tee und die restlichen Plätzchen. Das reicht.

30.12.2020

Sorgenbauschmerzen sind ja prinzipiell ja erst mal etwas gutes, denn scheinbar bin ich nicht nur physisch, sondern auch psychisch lebendig und zu körperlichen Reaktionen auf emotionale Vorgänge im Affenhirn fähig. Außerdem kann ich mich ja nur um jemanden sorgen, wenn da eine gewisse Grundsympathie, man könnte auch sagen Zuneigung vorhanden ist. Auch gut. Nur dieser eine Zweifel verunsichert mich. Nämlich das diese Sorge sich vielleicht doch nicht auf das Gegenüber richtet, sondern doch eigentlich auf mich. Verlustangst statt Mitgefühl quasi. Da ist der Bauch wieder sehr ungenau und schon der Gedanke an die Möglichkeit lässt Zweifel an der Baucherfahrung aufkommen. Die lauernde Verkopplung von “es spüre, geht dir nicht gut ” und “habe ich etwas falsch gemacht?”, macht sich breit und verschleiert, worum es in dem Moment eigentlich geht: nicht mich.

29.12.2020

Architekturshaming mit G. zur Heimatverarbeitung, aber sie ist härter, vielleicht weil ich kurz vor dem Spaziergang noch Streulicht von Deniz Ohde fertig gelesen habe. Mit dem Roman habe ich schon genügend Tritte ausgehalten, um jetzt selber treten zu können.