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13.02.2020

Das erhabene Konkrete und das bescheidene Abstrakte tritt weitaus öfter in der umgekehrten Kombination auf. (Leider.  Aber alles nur auf eine Karte zu setzen ist auch tückisch, so verlockend es auch sein mag. Es verkopft oder verfußt.) In Kunstkontexten oft gekennzeichnet durch die Angst vor dem Witz – man könnte ja mit der Behauptung, Kunst zu veranstalten nicht Ernst genommen werden. Und was bleibt dann schon noch.

12.02.2020

Ich war beim Discountoptiker, um meine Sehstärke testen zu lassen, weil ich in der letzten Zeit Abends manchmal Kopfschmerzen hinter der Augenbrauen hatte. (Außerdem habe ich immer noch keine Sonnenbrille.) Ich war beim Drogeriemarkt, zu dem ich gehe, wenn ich mich zu dick für Frustessen fühle, um entwickelte Fotos abzuholen. Ich war im drei Second Hand Läden, um die vorletzte passende Hose zu ersetzen, die mir am Abend zuvor unter lautem Aufschrei des Stoffs gerissen war. Meine Augen haben sich in den letzten Jahren kaum verändert und den Einbau neuer Gläser würde das alte Gestell vielleicht nicht überleben, die Bilder waren noch nicht da und keine der Hosen hat mir gepasst.

Den Rest des Tages dann damit gehadert, wie sehr ich Abschnitte aus alten Hausarbeiten ändern muss, um sie mit gutem Gewissen beim gleichen Prüfer als Teil der Masterarbeit einreichen kann.

11.02.2020

10.02.2020

Notiz an mich: Wenn man den Tag über nicht so viel getrunken hat und dann noch ein ausgiebiges und heißes Bad nimmt, lohnt es sich danach vor dem Schlafen noch ein/zwei Gläser zu trinken, um nicht nachts schweißgebadet und mit einem wüstengleichen Brand von einem Albtraum aufzuwachen, in dem man ein Auto in einen Graben steuert und zu ertrinken droht, und dann vor lauter Aufregung erst mal nicht mehr einschlafen zu können. Stay hydrated Kids. Im Weltraum hört dich keiner schreien. Unter Wasser merkst du nicht, dass du schwitzt.

09.02.2020

Meine Muskeln zittern und das warme Duschwasser ist alle. Ich beuge mich nackt und frierend über das Waschbecken und als ich aufblicke, um zu kontrollieren, ob nicht doch nach Waschgel im Bart hängt, sehe ich vor allem Blut aus der Nase quellen und im selben Augenblick drängen die Streicher den Pilgerchor an den Rand der Klippe. Der alte Antisemit hatte leider ein gutes Gespür für Timing.

08.02.2020

Die Energie tropfende argentinische Tänzerin, die den zweitägigen Workshop leitet und Deutsch spricht, als wäre es Spanisch, durchschaut mich schon nach wenigen Bewegungen: Du bist groß und siehst kräftig aus, aber du bist ganz weich. Nutze das.

07.02.2020

Im Hinterraum der Neuköllner Kneipe (die sich Bar nennt) drängen sich drei Geburtstagsgesellschaften und es ist so laut, dass ich versucht bin aufzustehen und alle zu bitten etwas leiser zu sprechen. Aber dann wäre ich genauso schlimm wie der kleine Kellner, der sich mit aufgeplusterter Bademeisterbrust und viel zu kleinen Cocktails durch den Raum quetscht. Dabei ist doch eigentlich Selbstbedienung, oder?

„Ich muss euch gleich sagen, dass Essen hier verboten ist.“

„Auch Geburtstagskuchen?“

„Gerade Geburtstagskuchen.“

„Und ich muss euch sagen, dass ihr so krampfhaft versucht lässig und echt zu sein, dass man es kaum aushält, so bemüht und verkrampft fühlt es sich hier an.“

Wie der kurze Gedanke an einen Dreier mit ihren Geschwistern, ist es eben gut, nicht alles gleich auszusprechen, egal wie angetrunken. Wäre wahrscheinlich auch nicht besonders schlagfertig rübergekommen.