elchgeweih.de

[fach]blog [für [m[einen]] [all]tag]

02.01.2020

Als ich aus dem Biomarkt komme, wartet schon eine junge Frau mit Klemmbrett auf mich. Ich setze mein „Ich habe kein Geld und schon gar nicht für Daueraufträge tut mir leid danke tschüss“-Gesicht auf, aber sie will kein Geld, sondern sammelt Unterschriften damit Produkte „mit Gentechnik“ gekennzeichnet werden müssen. Mein „Nein“ verwundert sie und wir starren uns kurz an. Dann nuschel ich: „Ich finde Gentechnik nicht schlimm“, und ärgere mich gleich wieder, weil das so stumpf klingt, als würde ich mir keine Gedanken machen. Dabei meine ich doch nur, dass ich die Verteufelung von Gentechnik dumm finde und das solche Kennzeichnungen irrationale Vorurteile nur bestätigen würden. Das wäre, als würde man „enthält gezüchtete Pflanzen“ auf Verpackungen schreiben. Natürlich birgt jede Technik Risiken, aber genau so gut könnte man vor Dünger warnen. Auch damit werden Ökosysteme zerbombt, aber das Problem ist eben nicht der Vorgang an sich, sondern was danach damit gemacht wird (Saatgutkonzerne, abhängige Bauern, Monokulturen, usw.). Außerdem sieht es gerade so aus, als würden wir mit Anlauf am 2-Grad Ziel vorbeirennen und wenn wir dann zehn Milliarden Menschen ernähren wollen können wir uns solche Ängste vielleicht leisten, aber viele Menschen im globalen Süden nicht. Wer glaubt, dass genverändertes Mais krank macht, impft auch seine Kinder nicht, schwört auf alte Apfelsorten und ist mit seiner Idee von Natürlichkeit – wahrscheinlich ohne es zu ahnen – ideologisch nur einen Fußbreit von den Nazis entfernt.

… aber dann wird die Ampel grün, noch bevor ich mich rechtfertigen kann, und ich flüchte über die Kreuzung. Vielleicht besser so.

01.01.2020

Andere haben heute einen Kater und wir haben eine Katze. Außerdem eine Krawatte und eine Finanzverwaltungssoftware, weil das Jahreshoroskop gesagt hat, dass der Mond einem nur hilft, wenn man mental auf den Erfolg und das Geld vorbereitet ist.

31.12.2019

Pizza (halb Mehl, halb Hartweizengrieß) und Prosecco (der teure von ALDI gewinnt gegen den preislich vergleichbaren von Alnatura)

30.12.2019

(Noch eben Blogeinträge von vergangenen Tagen schreiben klappt nie und macht immer unglücklich.)

29.12.2019

Augenringe, Unentspannungskopfschmerzen ungeklärter Verhältnisse und ein grantiger Erschöpfungshunger, der von Grünkohl gestopft wird. Nur ein Teller, weil ich mir vorgenommen hatte mich vor dem Nachschlag zu fragen, ob ich wirklich noch Hunger habe und damit mir nach der eingeatmeten Tüte Marzipankartoffeln im Zug spät nicht noch schlechter ist.

Solche Sätze sind ein Zeichen dafür den Rest des Tages mit schönen Dingen zu verbringen und die imaginäre To-do-Liste auf ihre tatsächliche Dringlichkeit zu überprüfen. Stellt sich raus: Als privilegierter Mitteleuropäer bleibt da nichts mehr übrig. Alles ausgedacht und mit Bedeutung geschmückt. Die Aufgabe ist nicht das Überleben zu sichern, sondern die Organisation der Lebenserhaltung zu gestalten ohne Mahlzeiten oder Nickerchen zu vergessen.

28.12.2019

Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben aktiv in einer Unterwäscheabteilung in der es die Boxershorts und Unterhemden nicht nur verpackt in der Mehrfachpackung gibt. Noch schlimmer: Alles ist nach Marken und nicht nach Kleidungsstück, Farbe, oder Preis sortiert. Eine Verkäuferin beobachtet mich und riecht meine Überforderung wie Haie das Blut. Ich stelle mich vor ein Regal und tue interessiert, um mir aus dem Augenwinkel einen Überblick über die Etage zu verschaffen. Eine zweite Verkäuferin überfällt mich von hinten: „Kann ich Ihnen helfen?“ Ich zucke zusammen und berühre schnell eine der Stoffe, um entschlossen zu wirken: „Äh, ich suche einfache Unterhemden aus Baumwolle in Weiß und Schwarz nein Danke.“

27.12.2019

Essenpause