05.10.2020

meh

04.10.2020

In Anwesenheit anderer zu Lesen ist eine intime Angelegenheit, Schreiben mitunter ein Liebesbeweis, und so setz ich mich auf die Terrasse, lese und das Haus und ich gewöhnen uns erst mal stumm aneinander.

Ein kleines Intermezzo mit einer abgebrochenen Schraube in der Wand. Rausziehen geht nicht, also treibe ich sie tiefer in die Wand und verspachtel das Loch mit meinem Finger. Der graue Fleck ist eigentlich zu eben für eine Raufasertapete, aber ich will nicht herumbohren, nur streicheln. Ging das auch schon zu schnell? Ich setze mich zurück auf den Campingstuhl und warte auf ein Zeichen. Darf ich über dich schreiben? Darf ich dich Zeichen? Die alte Nachbarskatze streicht an meinem Bein entlang. Ok, danke.

03.10.2020

Ich bin eifersüchtig auf ein Haus. Das ist natürlich völlig irrational, aber halt auch sehr real. Denn damit wohnt L. jetzt nicht nur weiter weg von mir als vorher, sondern auch mit einer Freundin zusammen, die ich nicht mag die schon mal nicht besonders nette Sachen über unsere Beziehung gedacht hat und das ganze quasi in einem Frauenhaus, was eh nach Verschwörung und Informationsaustausch klingt. Das Haus ist außerdem noch leer und ihm muss noch sein altes Leben ausgetrieben und ein neues eingehaucht werden, was die Wochenenden der kommenden Monate bestimmen wird. Ein Zimmer kann man ganz nach Wunsch und Bedürfnissen füllen, mich nicht, und im Gegensatz zu mir gibt es für das Haus auch einen Vertrag, das Versprechen von Sesshaftigkeit und Stabilität und keine daumendrückenden Untermietkonstruktionen. Also werde ich eifersüchtig, mache mich rar und plustere mich auf, dabei liegt in dem Haus eigentlich ein kostbares Versprechen: Von einer L., die ohne Sorge und Unruhe von ihrem Zuhause spricht, die sich anfühlt, als wüsste sie, wo sie hingehört, die einen Ort hat, an dem sie die Kraft schöpft, sich das Übermorgen auszumalen. Diese L. wünsche ich ihr und mir doch – vom Garten, in dem ich arbeiten und Sein dürfte, mal ganz abgesehen. Nachhaltige Gründe sie zu unterstützen und nicht den Weg zu blockieren. Und trotzdem. Trotz.

Auf Brigitte.de steht, um Eifersucht zu besiegen, muss man sie als solche erkennen und benennen () und man soll sein Selbstwertgefühl stärken. Na gut, also: Ich bin kein Haus, ich bin eine Villa und je mehr Immobilien, desto besser.

02.10.2020

Eine schwere Spanplatte vom Straßenrand nach Hause schleppen. Man kann ja nicht nur Websites bauen, man muss sich auch die Hände dreckig machen. Farbe kaufen und einen Pinsel und das Taschenmesser schärfen.

01.10.2020

Spülmaschine installiert, Pflanzen umgetopft, Gebrauchstexte geschrieben, Wendeltreppe repariert, am Fahrrad geschraubt, eingekauft, gekocht, Leihkunst begutachtet und dann sitzt du vor dem Laptop, alle sind schon im Bett und weißt auch nicht so recht, was der Rest des Tages von dir will und du von ihm und ihr sitzt zusammen im Wohnzimmer und die Musik läuft und man könnte natürlich einfach Zucker draufkippen.

30.09.2020

Geht mir weg mit euren Bildern vom Bali-Urlaub. Entspannt auf dem Bett liegen, die gemeinsame Stille am Telefon genießen und sich unbeobachtet kratzen. Das ist es doch. Mehr Leidenschaft, mehr Entspannung, aber nicht wie ihr am Instagramsandstrand, nicht als Völlerei, sondern als Grundeinkommen für Zwischenmenschlichkeit. Aber wie meistens steht sich die Revolution selbst im Weg.

29.09.2020

Ich sitze im Schaukelstuhl auf dem Balkon, klammere mich an meinen Stift und höre eine lange Sprachnachricht, die seit einer Woche in meinen E-Mails lauert. Sie repräsentiert die Konfrontation mit den Umständen, den Realitäten, dem System, der Anpassung, um Auffallen zu können, nachdem man dazugehört, den Schritt nach dem Ideal, ins Bergwerk der anderen, aus der Komfortzone, fremde Worte in meinem Mund. Gerade Schauspieler:innen können sich nicht gut verstellen, aber das glaubt ihnen niemand. Die Inszenierung macht da Spaß, wo sie nichts anderes behauptet. Ja, alles ist Performance, aber nicht alles ist einem wichtig. Auf der Bühne ist die Krawatte kein Problem. Die Frage ist also, wie ich des Antragschreibers spielen kann, ohne in der Distanzierung die Ernsthaftigkeit des Anliegens zu verlieren, aus der sich (einzig und allein) die Kraft speist, überhaupt weiterzumachen. Oder spezifischer: Wie viel Verfremdung ist notwendig und machbar und wie übersetzt sich das in eine Arbeitspraxis?