Unverschickte Links (Workshop), ungeschenkte Dinge (Rasendünger), ungezeigte Bilder (Amsel) und ungeschriebene Briefe, immer wieder im ersten Entwurf abgebrochen. Prasselnder Regen und doch stehe ich von der Abendsonne geblendet am Herd.
03.05.2021
Ich habe das erste Mal seit Jahren wieder ein Zeitschriften-Abonnement abgeschlossen. Sie erscheint zwar nur zweimal im Jahr und besteht quasi nur aus kulturwissenschaftlichen Essays und Kritiken, aber kommt mit der Post und ist so richtig aus Papier und mit glänzendem Einband. Wie früher. Vielleicht sollte ich noch ein paar mehr abonnieren. Eine für Lyrik, Kurzprosa und Textexperimente, eine über Gartenbau, Mode, Tagesausflüge und Sex oder eine mit Tanzchoreografien zum Ausschneiden und selber zusammenkleben. Statt Instagram ein Bildband aus dem Regal und statt YouTube eine Zeitschrift vom Couchtisch. Wie wär’s? Die sind zwar nicht von sich aus besser, vermehren sich aber langsamer.
02.05.2021
Regentag. Am Nachmittag schlafe ich mit einem Kissen im Arm auf dem viel zu kleinen Sofa in der Küche ein, während sich der auf die Dachfenster prasselnde Regen mit dem Ambient Set und dem Tippen von T. mischt, die an ihrer Abschlussarbeit sitzt. Gearbeitet wird hier schon, den Kuchen habe ich bereits gestern gebacken, kein Fenster steht mehr offen und jemand anderes ist nach Mariendorf gefahren. Mein Arbeitsauftrag ist zu starren und wegzudämmern.
01.05.2021
Cranio-Sacral-Ostheopathie-Kontakt-Improvisation in den Rehbergen. Barfuß und ohne Decke, aber leider auch ohne Sonnencreme. So weit ist es mit dem Frühling schon gekommen.
Wenn es so wichtig ist, den Tag richtig zu beginnen, dann auch den Monat. Also noch ein Rhabarberkuchen hinterher. Der Teig ist schon in der Springform, da ist der Rhabarber noch gar nicht ganz geschält. Hektische Gewohnheit. Zum Verdauen und für die dunklen Stunden zwischen Müdigkeit und Schlaf gibt es Haselnussschnaps im Wert der anderen Hälfte des Einkaufs.
30.04.2021
Album (Danger Dan)
Yoga (Easy On The Wrists Flow)
Besuch (Leipzig)
Pizza (Margherita)
Star Trek (Der erste Kontakt, 1996)
Alles überraschend. Alles gut.
29.04.2021
Ich habe jetzt ein graues, schlichtes Heft ohne Linien, Seitenzahlen, Vor- und Rückseite, das ich genau genommen (wie seine Geschwister) schon recht lange habe, aber bisher eben ohne Grund, einer Sache gleich ein ganzes dieser Hefte zu widmen. Den habe ich jetzt. Auch der Grund ist nicht ganz neu, nur im Vergleich zu dem Heft, aber irgendwann muss ich das reine funktionieren halt aufgeben.
Trauerarbeit mit Tinte. Was mit dem Füller geschrieben wird, kann nicht so einfach in ein anderes Fenster oder ins Internet kopiert werden. Wenn der Laptop noch gar nicht an ist, stehen die Worte nur im Kreise ihrer Nachbarseiten. Die Handschrift hat nicht schon am nächsten Morgen die zitternde Hand verdrängt.
28.04.2021
Und was mache ich als Geisteswissenschaftler, wenn ich heulend vor einem Text sitze? Ich drucke ihn mir aus, setze Tee auf und hole mein Etui mit den bunten Stiften. Schwarz für Hervorhebungen und Kommentare, blau für Fragen und Dinge, die noch besprochen, korrigiert oder überschlafen werden müssen, grün für was mich freut und beruhigt, rot für alles was wehtut und trifft und der Bleistift für den diffusen Rest, für den die Kategorien und Worte fehlen.
Noch mit dem Rotstift in den eigenen Wunden zu stochern. Wie bescheuert das alles macht. Wie kaputt ich doch bin. Beziehungsunfähig und kaputt. Er hat sich stets bemüht und trotzdem verkackt und den Unterricht gestört. Was für ein Selbstmitleid schwitzendes, narzisstisches Arschloch, dass das auch noch aufschreiben muss, um ins Bett gehen zu können. Ey, das ist mein Blog. Ich darf das hier.