05.10.2018

Zurück am Schreibtisch.

04.10.2018

Erstaunlich friedlich (für die Kombination aus selbst-organisierter Heilpraktikerschule, Pronomenaktivismus und konzentrierter Kursatmosphäre). Hat sich zwischendurch nicht so angefühlt.

03.10.2018

Daniel Kehlmann: Tyll

Fesselnd geschrieben und voller Elend aber irgendwie … unzufriedenstellend als Summe ihrer Erzählstränge.

02.10.2018

Ferdinand von Schirach: Strafe (Stories)

Warum eigentlich „Stories“ und nicht „Erzählungen“ oder „Geschichten“? Bestimmt wurde das mal in einem schlauen Interview gefragt, aber ohne Internet kann ich mir die Antwort nur selber ausdenken: Weil die Vorstellung von der Judikative in Deutschland von amerikanische Fernsehsendungen geprägt ist und beim Tatort mit der Festname der Abspann läuft. Außerdem weil „Stories“ mehr mit Horror assoziiert wird und weil der Klappentext „Mitunter verstörende aber distanziert vertraute Kurzgeschichten über Gut und Böse in einem emotionalen Nebel aus Widersprüchlichkeiten“ vom Verlag als zu sperrig abgelehnt wurde.


Paul Beatty: The Sellout

Ich weiße Socke habe keinen blassen Schimmer von Rassismus. Aber auch ohne alles (verstanden zu haben) verstehen zu können, prügelt das Buch dieses Eingeständnis aus mir heraus. Die Sprache ist genau so verwirrend und brutal.

01.10.2018

Robert Seethaler: Das Feld

Ja, wir wissen, dass das alles in derselben Stadt spielt und das alle Leben irgendwie miteinander zu tun haben. Jetzt erzähl‘ bitte wieder Menschen und nicht Zusammenhänge. Das kannst du nämlich, und zwar sehr gut.


Juli Zeh: Neujahr

Uff. – Gerade der erste Teil. Die Erlebnisse der Kinder dann weniger. Die sind weiter weg. Obwohl schon der Gedanke entlarvend ist. Viel Identifikationspotenzial und ausgesprochene Zukunftsängste.

30.09.2018

Die Katzen und ich versuchen den angelnden Männern am Fluss aus dem Weg zu gehen. Ich misstraue der Kombination aus Jogginghose und Quad mit Runenschriftzug. Bei den Katzen liegt es vielleicht eher an den Zigaretten. Sie lassen sich nicht streicheln, dabei hätte der Ort etwas Liebe verdient.

Auf dieser Seite des Waldes werden nur die Ruinen mit Blick aufs Wasser restauriert. Ferienwohnungen mit Blick auf geschlossene Drogeriemärkte lohnen sich noch nicht. Aber schon ein paar Kilometer weiter nördlich stehen zwischen bunten Feldern  Passivhäuser mit großen Fensterfronten, verwilderten Naturgärten und mit Berliner Kennzeichen. Laut Infotafel alles ohne Gentechnik, Pestizide und für die Insekten.

Die umliegenden Wanderwege sind fast leer. Mir begegnen vereinzelnd mittelalte Paare mit Ausflugsroutine. Er trägt einen breitkrempigen Hut und einen kleinen Rucksack mit der Wasserflasche und einer Packung Vollkornkeksen, sie zum dunklen Fleecepullover ein buntes Halstuch. Die Sonne scheint, aber sicherheitshalber liegen im Kangoo auf dem Parkplatz vor dem Hofcafé die Regenjacken.

29.09.2018

Wolfram Eilenberger: Zeit der Zauberer. Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919 – 1929

Es geht um Wittgenstein, Benjamin, Heidegger und Cassirer. Letzteren kannte ich vorher gar nicht, denn er fällt etwas aus der Reihe heraus. Das ist erhellend und beruhigend. Es geht also auch ohne großes Ego. Nur verkauft man dann halt weniger Fanartikel. Lust habe ich jetzt aber auf alle vier. Eilenberger serviert Philosophiegeschichte als mehrstündiges kommentiertes Fußballspiel in kleinen, gut verdaubaren Portionen. Zwischendurch liest sich das Ganze dadurch manchmal wie eine NTV-Dokumentation. Die biografischen Schicksalsstunden und imaginierte Gegenüberstellungen zwischen den Theoriepassagen tun dem Buch aber sehr gut.


Sally Rooney: Normal People

Über mehrere Kapitel habe ich geglaubt, die Handlung spiele im mittleren Westen der USA, bis Figuren plötzlich anfangen regelmäßig nach Dublin zu fahren. Eigentlich ist Ort aber austauschbar. Und auch die Sprache versucht der Handlung so sehr aus dem Weg zu gehen, dass sie beim Lesen angenehm bis irritierend egal wird. Das Buch wird dadurch zur fesselnden Wegleselektüre, aber bleibt wahrscheinlich nicht in Erinnerung. Und selbst das tut nicht weh.