Gruppentherapie ist, wenn Dachs, Affe, Robbe, Storch und Waschbär in meiner Abwehr zusammen sitzen und grübeln, wer die anderen beiden sind, mich aber dabei vergessen.
25.03.2025
Die Untermiete tickt und nichts schmerzt so schön empörend wie ein unpersönlich mitgeteilte und aber ganz persönlich gemeinte Absage. Vielleicht ist es ja unmöglich in Moabit und Umgebung eine Wohnung zu finden, für die nicht auf Weihnachtsgeschenke und Ausflüge verzichtet werden muss und für die es nicht mindestens eine entfristete Ehe mit Verbeamtung sein soll, aber wer bürgt für eine attraktive Alternative?
23.03.2025
Pfannkuchen auf die Browniebasis von gestern, Konterkombucha gegen den Sekt. Die Vögel singen wie verrückt, die Enten probieren Nistplätze aus und Kinder verschenken am Spielplatz Kuchen, um die Spaziergänger:innen zu nötigen, ihre alten Spielsachen zu kaufen. Eigentlich ist das Wasser schon zu warm, um das Eisbaden zu nennen, aber sechs Minuten reichen trotzdem für schmerzende Hoden mit gepackten Koffern. Als Belohnung backe ich mir auch einen Kuchen. So spät am Sonntag lohnt es sich nicht mehr, mit Gemüse anzufangen.
22.03.2025
Minimalistische Cafés gefüllt mit Menschen mit minimalistischen Herzen.
Kein Wunder, dass darin Kaffee so viel Platz einnimmt.
Also Mund auf und Herz stopfen.
Meinetwegen auch mit Puddingkern. Aber ungern.
21.03.2025
Ich mache keinen Allergietest, damit es nicht schlimmer wird und bin noch nie mit einem Rennrad gefahren, weil ich Sorge habe, meinen schweren Schrotthaufen danach zu verachten. Nur um die tollen Sätze tut es mir Leid.
„Nur eine kleine Tour bis an die Ostsee.“
„Und dann habe ich den Text halt eingereicht.“
„Jaja, die Birken, die Schlingel!“
20.03.2025
Sweat your prayers hallt es durch das Treppenhaus und sie kommen und sie schwitzen. Die Lebenskünstlerinnen, die gerade erst aufgestanden sind, die Kreativarbeiter mit Tagesfreizeit, die Damen mit Ballettvergangenheit, die jungen Mütter, die sich für zwei Stunden frei spüren und die Queers, die unbekümmert Raum einnehmen wollen. Sie alle beten mit ihren Körpern zur Musik, für die in der Untermiete kein Platz und die Wände zu dünn sind.
19.03.2025
„I wan’t to be in a collapse. But waiting on the edge of one i can’t escape is even worse.“
steht auf einem Bild aus der dritten Herr der Ringe Verfilmung, in dem Gandalf und Pippin auf einem Balkon von Minas Tirith auf den Beginn der Schlacht warten. Es ist aus dem Reddit Collapse, in dem die Verzweifelten und Sehnsüchtigen Beweise und Berichte über das kommende Ende sammeln:
„[…] the potential collapse of global civilization, defined as a significant decrease in human population and/or political/economic/social complexity over a considerable area, for an extended time.“
Ich meine mich an Stellen aus dem Mann ohne Eigenschaften zu erinnern, die mich beim Lesen zum ersten Mal mit der Kriegssehnsucht vor dem Ersten Weltkrieg konfrontierten. Der Sehnsucht, dass endlich mal was passieren müsse, der große notwendige Knall, der alles wieder ins Gleichgewicht bringt. Stellen, die nicht direkt davon handelten, aber mich besser verstehen ließen wie es dazu kommen konnte, aber ich finde die Stellen nicht mehr, die Suchmaschinen sind nicht mehr zu gebrauchen und der eine Chatbot denkt sich Zitate aus, die der andere erst Thomas Mann zuordnet und dann Philo von Alexandria.
Aber in dem Reddit hat man sich noch eine Aufgabe gesetzt: „We seek to deepen our understanding of collapse while providing mutual support, not to document every detail of our demise.“ und einer der Kommentare mit dem meisten Upvotes unter dem Post antwortet auch mit einem Zitat aus dem gleichen Universum:
“I wish it need not have happened in my time,“ said Frodo.
„So do I,“ said Gandalf, „and so do all who live to see such times. But that is not for them to decide. All we have to decide is what to do with the time that is given us.”