04.09.2020

Ich lasse die Augen bei der Meditation geöffnet, weil die auf Herbst gestimmten Blätter des Baums vor dem Fenster so schön feucht im Morgenlicht glänzen. Erst versuche ich dieses Bild mit den Geräuschen der Stadt im Atem aufgehen zu lassen, aber die Äste werden vom Wind immer wieder in mein Bewusstsein gepustet. Na gut, dann schau ich dich halt an. Und tatsächlich, hinter dem Anblick wartet der Baum auf mich und rührt mich zu Tränen. Erschrocken verliere ich ihn wieder aus dem Blick und ein paar Minuten später muss ich abbrechen, weil mein Brustkorb so eng geworden ist, dass mir das Atmen schwerfällt.

Kurze Recherche, das Zitat, welches mir dazu einfällt, ist nicht von Lacan, sondern von Satre: „Im Blick des Anderen erfahre ich den Anderen als Freiheit, die mich zum Objekt macht.” Indem ich mein Auge für den Baum öffne, liefere ich mich seinem Blick aus und sein großes, verwurzeltes Sein tritt in meinen Augenblick. Kein Wunder, dass ich es da mit der Angst bekomme und Schutz suche. Und alles noch vor dem Frühstück.

Kommentare

[…] mal an den Arbeitstisch im Wohnzimmer, erst um einen Brief zu schreiben, aber dann doch nur, um ein Bildungsbürgerzitat zu vervollständigen, lasse mich dann aber von den frischen Blumen auf dem Klavier ablenken und […]

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