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15.08.2019

Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus (06.04.1967), 2019 über die Neue Alte Recht und das Internet:

„Nun, was die Ideologie anlangt, so ist diese Ideologie durch die Gesetzgebung an ihrer vollen Äußerung verhindert. Man kann sagen, dass alle ideologischen Äußerungen des Rechtsradikalismus gekennzeichnet sind durch einen permanenten Konflikt zwischen dem Nicht-Sagen-Dürfen und dem, was, wie ein Agitator neulich es nannte, die Zuhörerschaft zum Sieden bringen soll […]. Nun dieser Konflikt ist aber nicht nur äußerlich, sondern der Zwang zur Anpassung an demokratische Spielregeln bedeutet auch einen gewisse Änderung in den Verhaltenweisen, und insofern liegt darin doch auch ein Moment – ja, wie soll man sagen – der Gebrochenheit, die diese Bewegungen im Stadium ihres Revenanttums nun einmal haben. Das offen Antidemokratische fällt weg. Im Gegenteil: Man beruft sich immer auf die wahre Demokratie und schilt die anderen Antidemokratisch.“ (S. 36f.)

und über Prepper, die ich plötzlich verstehe:

„Wer nichts vor sich hat und wer die Veränderung der gesellschaftlichen Basis nicht will, dem bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig, als wie der Richard-Wagnerische Wotan zu sagen: ‚Weißt Du, was Wotan will? Das Ende.‘ -, der will aus einer eigenen sozialen Situation heraus den Untergang, nun eben dann nicht den Untergang der eigenen Gruppe, sondern wenn möglich den Untergang des Ganzen“ (S. 20)

Im Nachwort zitiert dann Volker Weiß aus Stefan Breuers „Adornos Antrophologie“, in: Leviathan 12:3, 1984, S. 336-353, hier S. 346:

„Indem die Individuen das Kollektivsubjekt der Nation oder den Führer zu ihrem Ideal machen und mit phantastischen Eigenschaften ausstatten, Verwirklichen sie ein Stück jenes archaischen Größen-Selbst, dessen Realisierung in der Existenz des je Einzelnen ihnen versagt ist; zugleich befreien sie sich durch Projektion von ihren eigenen, im Ich-Ideal gebundenen Aggressionen, mit der unvermeindlichen Folge, dass sich die Welt mit gefährlichen, vergeltungssüchtigen Objekten bevölkert, gegen die sich das Subjekt wiederum zur Wehr setzten muss: die Kehrseite der Gratifikation die der ‚sozialisierte Narzissmus‘ verschafft, ist der Verfolgungswahn.“ (S.73)

Und nun weiß ich nicht wegen welchen Millionen Toten ich nachts wach liegen soll: Wegen denjenigen, denen wir Gedenken und die im Wiedererstarken des Totalitären nun von beiden Seiten neu beschworenen werden, oder denjenigen, die sich der Planet für die an ihm begangene Grausamkeiten einfordert.

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