28.10.2021

Schon wieder eine Ausstellung in einem alten Kraftwerk mit lauten Geräuschen und düsteren Projektion und abermals bin ich froh, hier nicht alleine durchzugehen. Ich kann mir vorstellen, dass das anders ist, wenn man die vernebelte Betonfinsternis eher mit Musik, Sex und Drogen assoziiert, aber ich finde es eher bedrückend. Apokalypse-Larp mit Marx Zitat. Zeitgenössische Kunst sucht sich jetzt Räume, in denen es nicht auffällt, dass die Katastrophe, die sie nostalgisch morbide beschwören, nicht das Ende der Erzählung sein muss. Metabolic Rift heißt die Veranstaltung, also die Stoffwechselkluft, womit Marx die sich auftuende Schlucht zwischen der Menschheit und dem Rest der Natur meinte, noch bevor die ökologische Krise cool war.

Auf dem riesigen Dachboden des Kraftwerks haben tibetische Mönche einen Schrein zurückgelassen, der nicht direkt mit der Ausstellung zu tun hat. Eine Tafel informiert, dass die Mönche hier einen Drachen angelockt haben, der das Gebäude schützen und Glück bringen soll. Alle paar Jahre kommen sie zurück. Der Altar darf nicht verändert werden und es muss hier oben immer ein Licht brennen.

Das gefällt mir. Die Installation im obersten Stockwerk wirkt direkt ganz anders, wenn ich mir den darum tanzenden Drachen vorstelle. Und die flirtenden Scheinwerfer im Kontrollraum mag ich auf. Und die stinkenden Hinterlassenschaften des mythologischen Totenkults. Alles wo Geschichten angedeutet werden, welche die Kluft überwinden.