29.10.2026

Vor dem Yogastudio stellt sie mich einer Freundin vor, die auch zum ersten Mal mit dabei ist, und wir witzeln, ob wir in diesen hippen Club wohl überhaupt reingelassen werden. In der Umkleide raune ich ihr dann ein verschwörerisches „Geschafft!“ zu, aber das ist sie gar nicht. Die Fremde ignoriert mich zum Glück einfach. „Ihr seht leider alle gleich aus“ hätte es aber auch nicht besser gemacht.

28.10.2026

Jedes kluge Köpfchen
saß einmal auf dem Töpfchen.
Drum auf die Windel 1 2 3,
ein kleiner Gruß an die Partei.

(So ganz unbeindruckt hat mich die Ausstellung zur DDR, durch die wir spaziert sind, bis wir ins AirBnB konnten, wohl doch nicht zurückgelassen.)

27.10.2026

Anfängerfehler: Mit Kleinkind ein Designapartment ohne separates Schlafzimmer buchen. Also sitzen wir ab halb acht leise im Halbdunkel, dafür aber sehr schick.

26.10.2026

Als sie nach Hause kommt, stehe ich nervös zwischen meinen gepackten Taschen: „Bevor du anfängst, lass mich erst etwas sagen: Ja, es ist nur knapp eine Woche, und Leipzig liegt vielleicht im Osten, aber immer noch in Mitteleuropa, und natürlich dauert es von hier aus, je nach Zugverbindung, sogar länger zum Alexanderplatz und ein Notfallschlafsack mag da etwas übertrieben wirken, aber in so einem Kurzurlaub ganz ohne Plan, da kann ja alles möglich passieren.“

25.10.2026

Versprichst du mir, dass du mir sagst, wenn ich durch die Analyse zu einer verrückten Psycholady werde?

Noch mehr?

Nicht lustig.

Versprochen. Das macht mir aber keine Angst.

Sondern?

Dass du dich veränderst und ich nicht. Dass sich für dich ein neues Kapitel auftut und ich weiter in der Küche stehe und Waffeln backe, bis du irgendwann merkst, dass du gar keine Waffeln magst.

24.10.2026

Wer Zeit zum Knibbeln hat, der tippt nicht schnell genug. Aber ab wann ist es nicht mehr Knibbeln, sondern Zerstückelung, fragt die Haut rund um die Fingernägel, oder eher, was davon übrig ist. Was vor ein paar Millionen Jahren als Belohnung für das Entfernen von Parasiten begann, sorgt jetzt für die kleinen Erfolgsmomente zwischen den Aufgaben und die schmerzhafte Verankerung in der Welt vor dem Bildschirm. Wenn schon nichts im Dokument landet, dann wenigstens in den Zwischenräumen der Tasten.

23.10.2026

Ich habe gestohlen, betrogen und gelogen, aber mich selten so dreckig gefühlt wie heute, als ich einer gutmütigen Freundin gesagt habe, dass sie den fröhlich glucksenden Kinderwagen ruhig noch eine weitere Runde um den Block schieben soll, nur damit ich in der Wohnung einige Dinge wieder an ihren rechten Platz räumen kann. Weggestohlen habe ich mich, im vollen Bewusstsein meines niederträchtigen Verrats, das herzzerreißende Weinen nach dem bösen Erwachen in einigen Minuten bereits in meinen Ohren klingend, und dennoch … ich vollzog die üble Tat!