Seit der Sache mit der Morddrohung muss man bei meinem Hausarzt nicht nur an der Tür, sondern auch an der Praxis klingeln. Er öffnet persönlich:
„Sind Sie geimpft?“
„Ja.“
„Warum?“
„Äh … Was ist denn das für eine Frage?“, antworte ich und gestikuliere übertrieben: „Weil ich Ihnen im vollsten Vertrauen meinem Arm hingehalten habe.“
„Ich war das?“
„Ja.“
„Im Gottvertrauen oder im Urvertrauen?“
„Im Urvertrauen.“
Er winkt mich rein. J hatte noch gescherzt, er würde mir statt der Unterschrift sicher Flohsamen und Spaziergänge verschreiben und tatsächlich steht hinter seinem Schreibtisch ein großer Sack Flohsamen. Sonst ist die Praxis leer. Er füllt aus, was auszufüllen ist und lobt mich nochmal für meine souveräne Reaktion an der Tür.
„Naja, ich kenne sie jetzt ja auch schon eine Weile und weiß, auf was ich mich hier einlasse.“
Er lacht.
29.04.2022
28.04.2022
Die Tage, an denen ich über jede Blüte staune, die auf eine Biene hofft, sind leider auch die Tage, an denen ich bei jedem Blaulicht an ängstliche Telefonate denke. Die Fühler sind etwas zu weit ausgestreckt.
Zwischendurch bin ich mehrere Stunden überzeugt, meine Brille unwiederbringlich verloren zu haben, aber zum Glück zu erschöpft für Panik.
27.04.2022
Die Tage sind wieder lang und warm genug, um mit offenem Mantel nach dem Abendessen noch einen längeren Spaziergang zu machen, bei dem zwischen Eis und Limonade gewählt werden will, aber doch nicht lang genug, um alle Worte darin unterzubringen.
26.04.2022
Die verschobene Mittagspause wird zu einer Tüte Haribo und die zum Handy neben dem Kopfkissen. So hängt alles zusammen. Klimawandel, Baustellen, englische Übersetzungen und die Laune von morgen.
25.04.2022
Es regnet, weil kein Regenschirm dabei, jaja, schon klar, aber hast du mal deinen Terminkalender nicht mitgenommen? Hier ein Anruf, da zwei Geburtstage, wie wär es mit Samstagvormittag und hast du an diesen einem Wochenende im Juli eigentlich Zeit? Natürlich wäre die Lösung ein digitaler Kalender, das Handy habe ich ja immer dabei, aber manchmal dann eben auch ganz bewusst nicht und ehe ich eine App gefunden habe, die Bedeutungen und Unsicheres so schnell und einfach festhalten kann wie ein Stift, weigere ich mich Wochen und Tage noch durch ein weiteres Werkzeug zu schleifen.
24.04.2022
Saunafeuerhaare und Sonnenwindhaut
der Samstag klebt am Sonntag
heiser doch vertraut
23.04.2022
Die Feen sind aus der Stadt verschwunden. Es ist offensichtlich; keine weiteren Erklärungen notwendig und auch keine Zeit dafür, denn es müssen Maßnahmen ergriffen werden. Man könnte zum Beispiel ein großes Gebiet mitten in der Stadt verwildern lassen und zum Schutz eine hohe Mauer darum ziehen, mit kleinen Löchern darin, damit die Feen sich nicht eingesperrt fühlen, sondern sicher, aber auch mit solchen Mauern hat diese Stadt eine schlechte Erfahrung.
Also fahren wir in den Wald, um die Feen zu suchen, aber auch dieser Wald ist eigentlich nur ein als Wald getarnter Stadtpark und nirgendwo sind Feen zu entdecken. Dafür gibt es einen Kiosk, an dem es Brezeln und Börek zu kaufen gibt. Den Cent Wechselgeld darf der Verkäufer behalten und ich fühle mich sehr großzügig, dabei braucht man mittlerweile viele solcher Großzügigkeiten für ein Brötchen.
Von unserem Rastplatz unter dem bienenbrummenden Apfelbaum können wir zwei FÖJler beobachten. Niemand hat ihnen gezeigt, wie man richtig Bierzeltgarnituren stapelt, nämlich Holz auf Holz und Metall auf Metall, aber das ist heute nicht meine Mission. Ich bin hier zum Krümeln.