01.04.2022

In Gedanken noch bei den Klippen von Sardinien, erklimme ich die Treppen zum Stofffachgeschäft. Diplomatisch gesagt verstehen sich die Mitarbeiterinnen untereinander sehr gut, teilen ihre Essen miteinander und mögen die Musik, die in der Fabriketage läuft. Genau wie beim Tanzkurs am Vorabend bin ich der Quotenmann und wären da nicht die aufgeregten Modedesignstudentinnen (keine Zweifel) auch die einzige Person unter 40. Weil ich mich beobachtet fühle, gehe ich zielstrebig zum erstbesten Regal, mustere mit kritischem Blick die Auswahl und fasse probeweise einige der Stoffe kopfschüttelnd und stumm murmelnd an, damit es so aussieht, als wüsste ich, was ich tue. Erst dann sehe ich das Schild an der Regalreihe: Biobaumwolle und Kinderstoffe – Ich hatte mich schon gewundert. Hier bin ich völlig falsch, schaue mir die Sterne, Piraten und Dinos aber noch kurz weiter an, bevor ich unauffällig in den nächsten Gang schlendere.

Auf dem Weg nach Hause mache ich als Auszeichnung für meine Expedition bei einer kleinen Bäckerei halt, die nach mehreren Schachteln Zigaretten am Tag aussieht, aber auch beim Mandelhörnchen wird nicht gegeizt.

31.03.2022

Schlappedischlappschlapp ruft der Bauer ins Tal und die Kühe wackeln ihm zum Gruße mit den Blumenkränzen auf dem Kopf.

30.03.2022

Wieder überwunden, wieder mitgekommen und quasi angegrillt (also hungrig im Rauch neben der riesigen Paella-Pfanne gewartet).

29.03.2022

Übertopfbeschlüsse (zum Trotze)

28.03.2022

„Sorry, what’s your name again?“
„Freerk“
„Frer‘?“
„F r two e r k“
„Ah, wow, i never heard that name before. What does it mean?“
„It means the one who jumps over his shadow, faces his fears, overcomes his instincts, embraces his failures; the one who still gives his best during the choreography, even if he couldn’t attend the first two hours of class; the one who goes out for a beer with the group afterwards, even though he doesn’t know anyone; the name of a warrior of a new kind of masculinity, of playful courage and gentle strength.“
„Ah, so it’s not a commen german name?“
„Not really. Where do you come from?“

27.03.2022

Die Gruppe verdauen, Nähe tanken, Pizza belegen, Falafel essen, in der Sonne sitzen, den Mantel abklopfen und schauen, ob noch Wiese dran hängt, die Ärmel hochkrempeln, noch ein Kapitel vorlesen, nur noch Zähne putzen und ins Bett, aber vom Sofa ist das so ein weiter Weg und dein Schoß tut es doch auch.

26.03.2022

Ich stelle das alte Fahrrad, das jetzt schon fast zwei Jahre ungenutzt im Hof steht und ich keinen Gästen guten Gewissens mehr anbieten kann, auf Ebay Kleinanzeigen. Rost und Dreck starren mich jetzt schon lange genug vorwurfsvoll an:

Fahrrad (Zustand: schlecht) zum Ausschlachten geeignet und gegen einen Symbolpreis von 5 Euro abzuholen.

Innerhalb von drei Minuten bekomme ich sechs Anfragen. Erst überlege ich, das Fahrrad in einer Woche noch mal für einen viel zu hohen Preis einzustellen, um mich dann langsam einem realistischeren Preis entgegenzuarbeiten, aber dann sage ich doch der ersten Person zu, die mir mit einem vollständigen Satz schreibt. Natürlich könnte das ein gewiefter Ersatzteilhändler sein, der daraus Profit schlägt und kein liebevoller Hobbyschrauber, aber auch der freut sich über ein Schnäppchen. Wenn ich 50-Cent-Stücke im Einkaufswagen lasse, dann weiß ich ja auch nicht, ob sich die nächste Person wirklich darüber freut und trotzdem mache ich es.