10.11.2021

Ein blauer Strich, fast schon zwei kleine Kurven, diagonal mit Pastellkreide über ein weißes Blatt gezogen und dann mit dem Finger verwischt. Die Kanten sind weich, das blau verläuft sich im Papier, schwebt als verblassende Wolke um die Linie, die trotzdem noch gut zu erkennen ist. Je nach Blickwinkel ist es ein Riss oder eine Naht, aber keine aggressiver, kein scharfer Schnitt, sondern eine zarte Öffnung oder Schließung, je nachdem. Auf jeden Fall tritt aus der Blatthaut kein Blut, sondern der wolkenlose Himmel.

Für einen Strich ist ganz schön viel Bewegung in der Linie. Es ist das sanfte Hin und Her eines Schlitzschuhläufers ohne Ziel und Stoppuhr. Aufsetzen, wiegen, ausgleiten.

Für einen ersten Strich macht er auch sich ganz schön breit auf dem Papier, denkt vielleicht die Person, die auf den zweiten und dritten wartet, auf die Unterschrift, den Rahmen, die Präsentation und die Auktion.

09.11.2021

Interpretationsstufe 1: Frust.

Interpretationsstufe 2: Auspowern und den Gefühlen Muskeln machen, ein spontaner erster Spaziergang mit dem neuen Wintermantel und unerwartet Zeit zum Schreiben.

Interpretationsstufe 3: Wut.

Interpretationsstufe 4: Frust und Ausdruck.

08.11.2021

Dem Urlaub mit der Liste begegnen. Obwohl es gerade das Wesen von Listen ist, dass sie warten können, durfte konnte ich es nicht.

07.11.2021

Schon vorbei? Beim Packen wird mir schwer ums Herz und ich suche nach Ablenkung. Erst indem ich mir Schuldgefühle einrede zu langsam zu sein und unangenehmen Putzaufgaben auszuweichen, und dann mit Gedanken an mein Geburtstagsgeschenk, das mir mittlerweile etwas peinlich ist, weil ich ihm aus Verlegenheit noch eine Einladung zu einem Wochenendausflug beigefügt hatte, die sinnbildlich für die Sorge steht, ihr nicht genügend bieten zu können.

Im Zug ist dann alles wieder wie weggeflogen. Sanfte Beschleunigung Richtung Berlin. Eine Stadt so groß, dass man an unterschiedlichen Bahnhöfen aussteigt. Erst mit der dampfbetriebenen Schmalspurbahn, dann mit der Regionalzug und schließlich mit dem Intercity.

Auf den Plattformen zwischen den historischen Waggons ist Platz für romantische Abschiedsszenen aus historischen Filmen. Laut gegen das zischen und rattern. Im Großraumabteil wird geflüstert, nicht gerannt.

 

06.11.2021

Kamerafahrt vom Sofa raus aus dem Fenster in den wolkenverhangenen Nachthimmel. Man sieht uns eng umschlungen auf dem Sofa liegen und Musik hören, dann durch das Glas, das Fenster wird immer kleiner, irgendwann ist nur noch das Haus als Lichtpunkt zu erkennen und dann verschwindet die Kamera in den Wolken. In dem Moment beginnen der Abspann. Die ganze Zeit ist die Musik aber weiter zu hören. Kleine Szenen neben den Credits. Heimvideos. Wie es uns nach all dem ergangen sein wird.

05.11.2021

Muscheln, Wildschweinburger und Sanddornpunsch. Das muss nicht besonders gut nebeneinander aussehen, muss nicht zueinander passen, so wie ich glaube, nicht in dieses Restaurant zu passen und von den Blicken der anderen Gäste entlarvt zu werden. Nein, schmecken muss es.

04.11.2021

Endlich Regen. Keine Ausrede mehr notwendig, um auf dem Sofa und im Bett zu bleiben.