03.02.2021

Bodennebelschwaden im Tiergarten. Als ich mit dem Fahrrad an der Ampel stehe, denke ich erst, meine Brille beschlägt, dabei trage ich gar keine Maske. Auf den Wiesen schmilzt der letzte Schnee und steigt dem Regen entgegen. Das dünne Eis schwimmt unter einer riesigen Pfütze.

02.02.2021

Ich verzeihe dem Toast und dem abgebrochenen Schlüssel im Fahrradschloss. Ich schwebe einen Zentimeter über dem Boden und dufte nach Lavendel, Hopfen, Baldrian, Melisse, Passionsblume und Johanniskraut, denn Google sagt, das sind alles beruhigende Kräuter. Meine Haare sind nicht nur blond, sie leuchten in goldener Sanftmut. Und das erstaunlich ist, das meine ich sogar nur ein kleines bisschen ironisch.

01.02.2021

Morgens: „Ok, ich darf mir montags nicht zu viel vornehmen, sonst hänge ich am Dienstag durch. Das kenne ich schon. Kleinvieh macht auch Mist und wenn ich ehrlich zu mir bin, muss auch nicht alles davon heute erledigt werden. Es wäre schön, aber niemand stirbt, wenn nicht.“

Nachmittags: „Na gut, die drei Sachen kann ich auch über die Woche verteilen, dann habe ich nach dem Abendessen nicht mehr so viel zu tun, sondern kann zur Ruhe kommen.“

Am späten Abend: „Verdammte Dreckskacke. Zu viel vorgenommen und es hat sich nicht mal gelohnt. Ich müsste jetzt schlafen gehen, bin auch müde, aber dann gebe ich dem Tag gegenüber auf.“

31.01.2021

Slalomjoggen im verschneiten Tiergarten. Auf den Wegen weichen wir den Spaziergängern aus und auf den Wiesen den aufgetürmten Schneewesen. Winterzauber und „Natur“ zum Anstellen, aber wir nehmen, was wir kriegen können.

30.01.2021

Ausflug durch den tiefen Schnee zum Biosupermarkt. Reicht dann auch.

29.01.2021

28.01.2021

Direkt noch ein Seminar. Dieses Mal aber ein echtes. „Finanzen planen und verstehen“ heißt es, und wir mussten unterschreiben, dass wir kurz davor stehen, irgendwas zu gründen, damit die Universität behaupten kann, dass ihre Absolvent:innen nicht direkt in die Sozialsysteme abwandern. Am schwersten fällt es den Teilnehmer:innen zu verstehen, dass im Diagramm der Dozentin mit „Zielgruppe“ nicht ihre Zielgruppe gemeint ist, sondern diejenigen, von denen das Geld kommt. Der Grund des Tuns ist also nicht der Zweck der Unternehmung. Davor sträubt sich der Kopf, denn wenn das Tun durchs Ich geht, dann ist diese Vorstellung mitunter nur schmerzhaft zu verkraften.