„Belagerst du mich?“, fragt sie mich und ich zögere. „Jein“, antworte ich nach einer kurzen Bedenkpause. „Ich weiß, dass du mit der Pest in der Stadt gerade keine Belagerung gebrauchen kannst, und deshalb spiele ich betont tief ins Sofa gerutscht auf dem Handy herum, um dir zu signalisieren, das meine Aufmerksamkeit gerade gar nicht ganz bei dir ist und du dir keine Sorgen machst und wenn ich dir Sachen erzähle, dann von Dingen, die ich auf meinem Handy sehe und dabei wackele ich mit den Beinen, um nicht so bedrohlich auszusehen, eher zwanglos, als müsste man sich um den nicht kümmern und sich nicht beeilen, weil der ist ja zufrieden beschäftigt, aber er ist halt noch da, und das will ich ja auch, dass du das merkst, weil ich das ja will, einfach nur bei dir sein, ohne zu nah zu rücken, was ja der eigentliche Wunsch wäre. Aber wenn ich da so erzähle, dann merke ich natürlich auch, dass das auch eine Art heimtückischer Aufmerkamkeitsbelagerung ist, auch wenn ich mit den besten Willen mit dem Wunsch abgeschlossen habe und eine liebevoll-distanzierte Teilnahme ausdrücken will. Der Kommunikationsinhalt halt doch vom Empfänger konstruiert. Aber dann frage ich mich, wie ich es sonst machen soll. Mich zurückziehen und versuchen nicht nur Existenz der Pest, sondern auch die der Stadt zu verdrängen? Das mich meine Sehnsucht nicht zum Eintritt berechtigt, muss ich akzeptieren, aber ist bangend im Zimmer zu liegen der Liebesbeweis, den..“ „Das ist aber auch eine Belagerung“, unterbricht sie mich und ich hole Luft für Empörung, aber stoße nur auf Katapulte.
09.02.2021
Der Punkt ist erreicht, bei dem ich beim Joggen überlegen muss, ob ich für ein Überholmanöver Schnee bis zum Knie in Kauf nehmen würde. Auch lange nicht mehr gehabt.
08.02.2021
Anstatt die Pause zu nutzen, backe ich noch schnell einen Marmorkuchen und weil ich mich beim Yoga eh nicht richtig konzentrieren kann, putze ich lieber das Zimmer und beziehe das Bett neu. Weil ich vor elf geschlafen habe, wach ich um halb sechs auf und überlege, ob ich nicht eher wieder müder werde, wenn ich noch eine weitere Schlafphase probiere. Einkaufen gehen ist ja auch ein Spaziergang. Bin ich jetzt etwa in dem Alter? Sind das die Gene? Die Peergroup?
07.02.2021
Durch Schneewehen joggen.
06.02.2021
(Granatapfel) Moscow Mule
05.02.2021
Hackfleisch-Käse-Lauch Suppe, nur vegan, also ohne Hackfleisch, Käse und ohne Sahne. Aber das macht nichts, denn der Name zählt. In dem Moment, in dem ich serviere und den Namen spreche, wissen alle, was gemeint ist und was sie zu tun haben. Die Suppe verwandelt sich und der Raum verwandelt sich und der Zauber hält, bis das Fremde in der Luft jemanden zu viel Angst einjagt: „Haha, als ob… Oder?“
04.02.2021
Bisher war die Theorie ganz einfach: Wer bei einer Runde Skip-Bo gewinnen will, muss im Uhrzeigersinn hinter A. sitzen. Die wird im Laufe des Spiels nämlich immer ungeduldiger ihrer Karten loszuwerden und achtet dann nicht mehr auf die Karten und Möglichkeiten der anderen Spieler:innen. Der Rest ist Kartenglück.
Heute mussten wir die Theorie anpassen: Es hilft auch, keine dummen Spielzüge zu machen. Die vermeidet man, indem man weiter als einen Schritt in die Zukunft denkt, ohne dabei die Gegenwart wieder zu vergessen. Lässt sich so ein erweiterter (analytischer) Horizont trainieren? Spieler:innen mit „Um die Ecke gedacht“ Erfahrung (ZEITMagazin) sind auf jeden Fall klar im Vorteil.