10.02.2021

„Belagerst du mich?“, fragt sie mich und ich zögere. „Jein“, antworte ich nach einer kurzen Bedenkpause. „Ich weiß, dass du mit der Pest in der Stadt gerade keine Belagerung gebrauchen kannst, und deshalb spiele ich betont tief ins Sofa gerutscht auf dem Handy herum, um dir zu signalisieren, das meine Aufmerksamkeit gerade gar nicht ganz bei dir ist und du dir keine Sorgen machst und wenn ich dir Sachen erzähle, dann von Dingen, die ich auf meinem Handy sehe und dabei wackele ich mit den Beinen, um nicht so bedrohlich auszusehen, eher zwanglos, als müsste man sich um den nicht kümmern und sich nicht beeilen, weil der ist ja zufrieden beschäftigt, aber er ist halt noch da, und das will ich ja auch, dass du das merkst, weil ich das ja will, einfach nur bei dir sein, ohne zu nah zu rücken, was ja der eigentliche Wunsch wäre. Aber wenn ich da so erzähle, dann merke ich natürlich auch, dass das auch eine Art heimtückischer Aufmerkamkeitsbelagerung ist, auch wenn ich mit den besten Willen mit dem Wunsch abgeschlossen habe und eine liebevoll-distanzierte Teilnahme ausdrücken will. Der Kommunikationsinhalt halt doch vom Empfänger konstruiert. Aber dann frage ich mich, wie ich es sonst machen soll. Mich zurückziehen und versuchen nicht nur Existenz der Pest, sondern auch die der Stadt zu verdrängen? Das mich meine Sehnsucht nicht zum Eintritt berechtigt, muss ich akzeptieren, aber ist bangend im Zimmer zu liegen der Liebesbeweis, den..“ „Das ist aber auch eine Belagerung“, unterbricht sie mich und ich hole Luft für Empörung, aber stoße nur auf Katapulte.