11.09.2020

Die erste Geburtstagsfeier seit März. Ausgesuchte Gäste, verlegene Ellenbogenstupser, geöffnete Fenster und schlechte Witze, um die Unsicherheit zu überspielen, wenn Vorsicht auf müde Ignoranz und trunkene Ausgelassenheit trifft. Wo es Gin gibt, wird irgendwann immer auch gekuschelt, so will es die unironische Bowle, die jede aufnimmt, der das Bier nicht mehr schmeckt. Weil mehrere Filmemacher:innen und Fotograf:innen anwesend sind, wird irgendwann ein Set gebaut, Pflanzen und Stoffe aus den Zimmern herbeigetragen, Lampen installiert und jede:r, die dieses Jahr auch dreißig wird, muss posieren. Ich bin für die Instagramfilter zuständig.

10.09.2020

Genervt von der eigenen Müdigkeit und Unkonzentriertheit nach dem Abendessen. Wenn endlich die Dinge aus dem Weg sind, die ihre Notwendigkeit über den Moment hinaus behaupten und gerade deshalb so viel mehr Kraft verlangen, um sie in der Gegenwart zu ertragen, dann ist der Tag vorbei und ich breche alles Angefangene frustriert wieder ab. Warum ist sich nicht mit YouTube auszuknipsen eigentlich so anstrengend? Werde ich irgendwann abends wieder lesen können? Und wie sehr Routinenmaschine soll ich den noch werden, um das auszuhalten?

Verfetten, verrosten und verstauben; einreihen, die Ansprüche runterschrauben, die Finger wegknibbeln und die Wangen aufessen.

09.09.2020

Mit Menschen, die ich gern habe, um das richtige Verhältnis von Gestalt(ung) und Bedeutung streiten.

08.09.2020

Kalendereinträge, Notizen, Listen, eine Mindmap, Zeichnungen, ja ganze Absätze bleiben vom Tag übrig, aber trotzdem bedeutet er einen Tag später – jetzt – schon nichts mehr. Immer nur Jetzt, Jetzt, Jetzt.

07.09.2020

Leinsamenknabbernd Into The Unknown. (Auf Deutsch: Wo noch niemand war. Aber bedeutet das nicht etwas ganz anderes? Das Unbekannte gegen das Unerschlossene?)

06.09.2020

Das Ablenkungskommando Sitter ist wieder im Einsatz. (Motto: Wer hier offiziell abgelenkt wird, ist ja wohl zweitrangig.) Heute unterwegs zwischen den Schafen im Schlosspark Charlottenburg und mit dem Beamer im Wohnzimmer.

05.09.2020

Nach dem gemeinsamen Abendessen setze ich mich mit einer Tasse Tee nochmal an den Arbeitstisch im Wohnzimmer. Erst mit der Absicht einen Brief zu schreiben, aber dann doch nur, um ein Bildungsbürgerzitat zu vervollständigen, lasse mich dabei aber von den frischen Blumen auf dem Klavier ablenken und drehe – jetzt, wo eh alles egal ist – auch noch die Beethoven Sonaten lauter. Den ironisch-vulgären Bruch verlagere ich in den Browser, aber dessen Inhalt kommt im Klischee wahrscheinlich einfach nie so explizit vor.