04.09.2020

Ich lasse die Augen bei der Meditation geöffnet, weil die auf Herbst gestimmten Blätter des Baums vor dem Fenster so schön feucht im Morgenlicht glänzen. Erst versuche ich dieses Bild mit den Geräuschen der Stadt im Atem aufgehen zu lassen, aber die Äste werden vom Wind immer wieder in mein Bewusstsein gepustet. Na gut, dann schau ich dich halt an. Und tatsächlich, hinter dem Anblick wartet der Baum auf mich und rührt mich zu Tränen. Erschrocken verliere ich ihn wieder aus dem Blick und ein paar Minuten später muss ich abbrechen, weil mein Brustkorb so eng geworden ist, dass mir das Atmen schwerfällt.

Kurze Recherche, das Zitat, welches mir dazu einfällt, ist nicht von Lacan, sondern von Satre: „Im Blick des Anderen erfahre ich den Anderen als Freiheit, die mich zum Objekt macht.” Indem ich mein Auge für den Baum öffne, liefere ich mich seinem Blick aus und sein großes, verwurzeltes Sein tritt in meinen Augenblick. Kein Wunder, dass ich es da mit der Angst bekomme und Schutz suche. Und alles noch vor dem Frühstück.

03.09.2020

Gute Laune merke ich daran, dass ich beim gleichen Podcast, den ich immer höre, nicht nur grinsend, sondern laut lachend durch die Straßen laufe. Heute mit einem Basketball im Beutel und darunter zerknickt die Einkaufsliste (Blumenkohl, grüne Bühnen, Tomaten) für das Abendessen.

02.09.2020

Hörspielspaziergang ohne Schal. Die Bewegung muss ich mir erst wieder angewöhnen. Handy, Schlüssel, Geld, Maske, Schal.

01.09.2020

Ich gehe mit einem Eis, einem großen Cornetto King Cone, das ich zu Ehren eines abwesenden Geburtstagskindes esse, nach dem Abendessen spazieren. In einem EMS Studio brennt noch Licht, zumindest in einer Hälfte des Ladens, es scheint aber schon geschlossen zu haben. Im halbdunkel steht eine verdrahtete Mitarbeiterin des Studios und starrt angestrengt ins Nichts. Hat sie den Job vielleicht nur angefangen, um heimlich nach Ladenschluss länger als 20 Minuten pro Woche trainieren zu können?

31.08.2020

Tag der dazwischengekommenen Dinge.

30.08.2020

Die große Sonntagsmüdigkeit.

29.08.2020

Ein Schaumbad, ein süßes alkoholisches Getränk mit Eiswürfeln, eine Kerze, das weit geöffnete Fenster zum Spätsommerabend, Hubschrauber, die über dem Haus kreisen, unverständliche Lautsprecherdurchsagen und manchmal trägt der Wind auch das Gebrüll aus dem Regierungsviertel bis auf meine dampfende Brust. Selbst wenn ich das Handy ausschalte, werde ich sie nicht los.