Tag vergessen, als hätte es ihn nicht gegeben.
29.07.2020
Die Performance heißt Dissolving Binaries (Male/Female|Human/Nature|Performer/Audience) und zumindest ein bisschen Auflösung gibt es wirklich. Am Ende stehen (jedenfalls für einen Augenblick) nicht mehr die coolen Berliner:innen am Rand des Waldes, die darauf warten sich in die Liste einzutragen, auf der sie mit einer Unterschrift ihre Bildrechte abtreten, sondern „nur“ eine Gruppe von Menschen auf einer Lichtung, die kurz vorher noch Bäume umarmt, und sich gegenseitig Stein und Moose zum Betasten gereicht haben.
Musik, Gedankenimpulse und kleine Aufgabe. Viel hätte man weglassen können, die neonfarbenen Schnüre zwischen den Bäumen genauso wie die Tanzeinlage am Anfang; auf den kleinen Waldbühnen passierte auch schon genug, ohne das etwas hätte geschehen müssen. Aber das ist eine Vertrauensübung für Fortgeschrittene.
28.07.2020
Weniger an der Bedeutung, mehr an der Wirkung feilen. Denn ist der Kontext nicht an den Tweet getackert, geht er schnell verloren. Die eine literarische Figur wird durch die andere ausgetauscht. Das Auge sieht was es sehen will. Der Schatten in der Zimmerecke ist ein Monster:
Wir sind gerade beide noch nicht bereit für was Festes. Ich nenne es Waldspaziergang, sie nennt es Sommerinterview.
Dabei ging es um Medien, die mit Nazis kuscheln, aber es nicht zugeben wollen.
27.07.2020
Sprache verzaubert. Eine abgebrochene Bewegungseinheit in einen Grund zu Schreiben, Frust in ein Glücksgefühl und starre Sprachlosigkeit in eine Geste – den Versuch einer einladenden Berührung.
26.07.2020
Als der Regen etwas nachlässt, springe ich in die Havel, aber bevor ich mich danach umziehe, um zumindest die ersten Minuten der restlichen Kilometer teilweise trocken auf dem Fahrrad zu sitzen, warte ich noch, bis die arabische Familie ihr Entenfutter losgeworden und wieder ins Auto gestiegen ist. Der Vater hatte mich argwöhnisch, wenn auch freundlich gemustert, wie ich so tropfend in Unterhose aufs Wasser starrte und an meinem schwarzen Tee nippte.
25.07.2020
Katharina Grosse: It Wasn’t Us im Hamburger Bahnhof. (Wo bekomme ich denn so große Styroporblöcke her und Farben und eine Halle zum Spielen? F. findet die Arbeit problematisch. Der Ort, die Zeitpunkt, die Umgebung und die Aneignung von Street Art, aber an all das denke ich nicht. Ich denke nur an Filme aus den 90ern, in denen die Realität kurze Aussetzer hat und an Tabletoplandschaften und den Geruch von Bastelkleber.)
Hummus Teller und Baba Ghanoush bei Big Bascha (Gestern war der lange Dünne, der das Essen bringt nicht so freundlich. Das liegt bestimmt an G. und ihrer Charlottenburg-Aura.)
Rotkäppchen Rosé auf dem Balkon (Rosmarin oder Minze als Deko ins Glas?)
24.07.2020
Ausschnitte aus dem Selbstgespräch vor der erfolgreichen Rückkehr an den Schreibtisch, an einem Freitagvormittag im Juli, kurz bevor die Wochenziele wehmütig aber verständnisvoll aufgegeben werden, denn knapp vorbei ist schließlich immer noch über 90 Prozent:
Was passiert ist, ist passiert. Sich von Schuld oder Scham nicht komplett einnehmen zu lassen, bedeutet nicht, es zu ignorieren oder keine Verantwortung dafür zu übernehmen. Ich bin fehlbar. Wenn ich etwas fühle, dann glühe ich. Ich kann meinen Selbsthass genauso wenig verstecken wie meine Erregung. Ich bin einnehmend, aber ich kann lernen, besser zu erkennen, was dieses Ich alles einschließt, wenn es sich aufbläht; was dann zu mir gehört und was wirklich Wirklichkeit ist. Ich kann lernen, liebevoller und rücksichtsvoller zu allen zu sein, die von dieser Sphäre eingeschlossen werden, inklusive mir.
[…]
In einer Folge Harmontown geht es um Kuchen. In Kuchenmetaphern kann ich denken. Ich habe eine begrenzte Menge an Kuchen und warum sollte ich den für Dinge verschwenden, die mir die Freude am Kuchen vermiesen? Ich kann den Kuchen auch nur genießen, solange ich nicht die Menschen vergraule, die mir Mehl, Milch und Eier geben. Und Kuchen zu verteilen, macht viel glücklicher, als ihn alleine zu essen.