Es gibt da dieses seltsame Bild von Frank-Walter Steinmeier und Marcelo Rebelo de Sousa, dem portugiesischen Präsidenten mit einer Gruppe von Schüler- oder Student*innen. Sie sitzen eng beisammen vor einer Art Brunnen. Die Stimmung ist ausgelassen, so als läge das Gruppenbild bereits hinter allen. Der eine der beiden hält die krausen Haare der jungen Frau vor ihm in den Händen, der andere scheint unerwartet heftig darüber zu lachen. Sie hingegen schaut als Einzige weiter konzentriert in die Kamera. In der Bildunterschrift stand etwas von „Haare aus dem Gesicht“, aber ich bin mir sicher sie meinen Europa.
05.03.2018
Ich habe nur eine Nacht mit Alina Argentina verbracht. Zumindest habe ich sie so bei WhatsApp getauft. Eigentlich sogar weniger als eine Nacht. Wir hatten uns gegen neun an einem Späti getroffen und gegen vier musste sie schon wieder los, weil sie auf dem Weg zum Flughafen noch ihren Rucksack aus der Airbnb Wohnung im Prenzlauer Berg holen musste. Sie war alleine durch Europa gereist ,um es sich, ihren Eltern und Freunden zu beweisen und wollte den letzten Abend nicht alleine verbringen. Ich wollte auch nicht alleine sein, versuchte ihr die Unterschiede zwischen den Biersorten zu erklären und dafür lachte sie über meine Witze.
Einige Wochen später schickt sie mir immer noch Bilder. Von ihren Katzen, dem Blick aus ihem Fenster oder von Bands, die ihr gefallen. Immer unangekündigt und mit einer kurzen Beschreibung. Wie in einem Bildband. Und ganz selten, immer nachts und immer im betrunkenem Englisch, die Frage, ob ich nicht in der nächsten Zeit mal zufällig nach Argentinien kommen würde. Aber wir antworten uns auf solche Fragen nur mir Smileys.
Was wäre, wenn – 48 Farbphotographien aus Berlin und Tucumán
Deutsch/Englisch/Spanisch. Hardcover. 29 Euro. Internationaler Versand.
04.03.2018
Die Frage nach der Entscheidungsgrundlage. Nach den Trieben. Nach den Hormonen. Nach der nachträglichen Bewertung einer Begegnung. Eines Moments. Einer Ursache. Einem Grund.
Die Frage nach … Handlung(spotential[en]{?})
03.03.2018
Life Lines (OUT OF NOW / DANCE ON Festival – Hebbel am Ufer)
Kunstbewegte Damen schweben ihre Biografien entlang. Aufmerksam um Kraft und Präsenz bemüht präsentieren sie ausgesuchte Fundstücke aus ihrem Körperarchiv. Es sind alltägliche Bewegungen und Zitate vergangener, großer Gesten. Irritierend bis rührend. Alles ohne Anführungszeichen. Der Hahn im Korb ist ein liebenswerter Pinguin und bemüht sich das Tempo zu halten. Steif wackelt er eine Narzisse entlang und zählt (stumm) seine Töchter.
02.03.2018
Ich lese (fehl am Platz richtig aufgehoben)
Ich möchte von den Dingen die ich sehe
wie von dem Blitz
gespalten werden
Ich will nicht dass sie vorüberziehen
farblos bunte
sie schwimmen auf meiner Netzhaut
sie treiben vorbei
in die dunkle Stelle
am Ende der Erinnerung
und sofort schießt emotionale Hawking-Strahlung in die Tagtraumturbine:
Warum dem Blitz? Brauchen die Dinge einen Namen?
Und was ist das für eine dunkle Stelle am Ereignishorizont?
01.03.2018
Ich entdecke Narben, du den Gebissabdruck, aber ich bin mir nicht sicher zu wem er gehört. Jedes mal über beide Ohren verknallt in den Moment, stumpft das nicht ab? – Nur, wenn man sich Zeit lässt darüber nachzudenken.
28.02.2018
Die Art von Kälte, die über den Handrücken in die Finger kriecht. Wegen der man den Einkaufszettel an den Wind verliert, darum fast den Bus verpasst, um ihn dann eine Stunde später auf dem Heimweg im Seitenstreifen zu entdecken. Knallorange. Den Zettel, nicht den Bus. Der ist gelb.