18.05.2020

Ich breche das Hörspiel ab und verspüre den Drang, mich dafür zu rechtfertigen, denn es ist kein schlechtes Hörspiel, ganz im Gegenteil. Es ist sehr gut produziert, in einem Stil, den ich mag und es dreht sich um Personen, die ich schon aus dem Theater kenne, aber ich breche trotzdem nach der Hälfte ab, denn ich bin Identitätsgeschichtenmüde. Als weißer Cis-Mann lässt sich sowas leicht sagen, mein Ich stellt niemand infrage; oder doch, in dem ich da schon wieder eine Geschichte hören muss, die ich zwar begreifen, aber nicht nachvollziehen kann. Muss – wie eine Anmaßung im Kunst- und Kulturzirkus nicht drumherum kommen zu können um die Biografien und das Empowerment und den Struggle, also gäbe es keine anderen Themen außer der Selbstbezeichnung und überhaupt und schon klingt meine innere Stimme wie ein alter wütender Mann und ich halte die Luft an.

Es ist eine genervte Müdigkeit. Eine Mischung aus dem tadelnden Groll, wenn jemand nur von sich spricht und sich hinter einem empathischen Vokabular versteckt und der Lustlosigkeit, mit der ich ein Video wegklicke, weil ich nicht zum zwanzigsten mal erklärt bekommen möchte wie man Basilikum vermehrt. Dass ich genervt bin, ist gut, denn das heißt, dass sich etwas regt. Nur überwiegt in letzter Zeit immer öfter die Müdigkeit, das abbrechen, wegklicken und das gar nicht erst hingehen. Schamvolle Langeweile, die eigentlich komplexer ist, aber sich aus meiner Position heraus bequem zusammenstreichen lässt.

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