Der Traum wiederholt sich, aber beim zweiten Mal komme ich nicht rechtzeitig in das Zimmer, weil im Flur gesungen wird. Erst harmonisch, aber als immer mehr Leute aus dem Krankenhaus dazukommen, wird es bemüht, laut und peinlich. Als ich es dann doch in das Zimmer schaffe, steigen zwei Männer mit dem Kind gerade aus dem Fenster. Im ersten Traum war nur von einem Mann die Rede, denke ich da und schaue machtlos zu. Am Telefon sagt mir der Polizist mit Schnurrbart und meiner Stimme lachend, das man da wohl nichts machen könne, ich wisse zwar den Namen des Kindes, der Entführer, des Viertels, in das sie geflüchtet sind, und den der Mutter, die aufgelöst vor mir sitzt, aber ich könne keinen dieser Namen aussprechen, Pech gehabt, so sei das manchmal.
24.05.2021
(Not so) Sudden Sadness und Frühlingswetter Madness und die Schwalben kreischen aggressiv beim Sturzflug über den Balkon. Alle horny, oder sie wollen uns vor einer schrecklichen Naturkatastrophe warnen, wer weiß das schon.
23.05.2021
Bei meinen Tagesausflügen zeichnet sich ein Muster ab. Ich lande immer wieder in Mooren und Wiesenlandschaften, mit wiegenden Gräsern und vereinzelten Bäumen und Büschen. Vielleicht sind es die Stadtaugen, die sich weite wünschen, vielleicht aber auch die Pferde und zotteligen Hochlandrinder, die stur im Sumpf und Wind stehen.
Wie jedes Mal nehme ich mir auch etwas zum Lesen und Schreiben mit und wie jedes Mal, komme ich nie an, sondern raste nur.
22.05.2021
Das ist ja wie im Restaurant, nur besser, weil man hier keine Angst vor COVID haben muss, sagt sie, aber ich denke, es ist wie im Restaurant, nur schlechter, weil hier der Koch mit am Tisch sitzt und sieht, dass ich vor allem Hunger habe und wie egal es mir ist, welcher Wein als Nächstes aufgemacht wird.
21.05.2021
Wir entscheiden über die Mitbewohnerinnenfrage auf Schmierpapier mit elaborierten Design Thinking Methoden aus dem Improvisationsmethodenkoffer.
„Wir haben uns jetzt doch für deine Konkurrentin entschieden, weil einer von uns dich zu heiß findet.“, ist ja wohl nicht die schlimmste Absage, die man bekommen kann.
20.05.2021
Ich habe mir endlich eine Sonnenbrille gekauft. Der Post-it wusste nach drei oder vier Jahren gar nicht, wie ihm geschah, als er im Mülleimer verschwand. Seine greisen Nachbarn zittern nervös.
19.05.2021
Ein Brillenfachgeschäft in einer Seitenstraße des Kurfürstendamms. Ich war schon lange nicht mehr in einem Laden, der kein Supermarkt oder eine Drogerie ist, aber noch länger nicht mehr in einem, in dem ich mich so underdressed und von den Blicken der Verkäuferinnen bewertet gefühlt habe.
Aus Trotz mache den Laden extra ein bisschen länger uncool als ich müsste und lasse mir mit den Selfies Zeit. Wie haben das denn die Menschen früher gemacht? Ihre Freunde mit in den Laden genommen, oder wie? Aber die musste auch noch nicht das Gesicht unter der Maske mitdenken.