02.03.2021

Grrrrrr.

Eine halbe Pampelmuse und Kaffee zum Frühstück, zu kraftlos zum Joggen und dann, während wir Laufen sind, eine riesige Portion Nudeln machen und vor dem Abendessen sagen, man sei leider schon total überfressen? Schlaf gut, Smileys und GIFs, wenn es gerade zur Laune passt? Lieber die Spülmaschine zweimal laufen lassen, anstatt die Salatschüssel oder einen Topf mit der Hand abzuwaschen und das Geschirr daneben stapeln? Aber wer muss den Anblick und diese Atmosphäre den ganzen Tag ertragen, weil sein Auge gar nicht anders kann als die Oberflächen nach Aufgaben und Rissen abzusuchen und wer muss dann später die Maschine aus und wieder einräumen? Natürlich ist das wie der schlechte Schlaf nur ein selbstverstärkendes Symptom und nicht die Antriebskraft des Ursachenkreisels, aber ey:

GRRRRR.

01.03.2021

Labern und Gerede, Gerede und Labern, schreibe ich auf die großen Pappbögen; wer Logorrhö sagt hat nicht hingehört, nicht verstanden, dass es nicht um protestantischen Mehrwert und Kohärenz geht, das ging es nie, sondern darum, die Welt und das Ich zu erzeugen, das da spricht, und zwar immer im Miteinander, im Dazwischen, es geht also um Geborgenheit, Anerkennung, die Vergewisserung im Spiegel der Stammesgemeinschaft und um Erotik, denn hören ist sprechen und sprechen ist hören, also wird gelabert und geredet und geredet und gelabert und schon ist es wieder Theorie und auch Brecht sagt Hallo, denn auch reine Wissenschaft war es nie, es war immer auch Kunst und Literatur, und so schreibt er ironisch über das Radio: „Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen. […] Ein Mann, der was zu sagen hat und keine Zuhörer findet, ist schlimm daran. Noch schlimmer sind Zuhörer daran, die keinen finden, der ihnen etwas zu sagen hat.“

28.02.2021

Wo fasst du am liebsten einen Menschen an? Am Streifen vom oberen Rücken, etwas unter den Schulterblättern rauf zum Hinterkopf durch den Flaum unter dem Haaransatz, manchmal mit Ausflügen Richtung Schlüsselbein.

Wo manifestiert sich Anspannung bei dir am deutlichsten? Im Raum der versteiften Linien zwischen Kiefer, Hals, Schultern und dem Sonnengeflecht.

27.02.2021

Doch wieder dick eingepackt an den Fluss schlurfen, mit einem kleinen Deckchen für die Bank, wie so ein alter Mann, aber wenn man bei dem Wetter ein paar Kapitel im kalten Weltraum schaffen will, dann braucht man eben Po-Polster, Tee und Kleingeld für den Backshop.

26.02.2021

In meinem Traum finde ich in der Waschmaschine eine Teekanne. An ihrer Unterseite sind Stücke abgebrochen, aber sie ist noch funktionsfähig, denn unter ihrer Porzellanhaut verbirgt sich eine Art Amphore, die nur als Teekanne verkleidet war.

25.02.2021

Es gibt da ein Gedicht, das ich als Jugendlicher geschrieben habe. Ich weiß nicht mehr warum, aber das ist gelogen. Ich erinnere mich an die Frage, wo und wann gestellt. Zwar nicht mehr weshalb, aber warum. Das Gefühl weiß ich wohl noch. Und manchmal kommt es plötzlich wieder. Es ist der einzige Text von mir, den ich auswendig und mit korrekter Betonung aufsagen kann, und ich weiß auch zehn Jahre später nicht genau, was er bedeutet. Jedes Mal tun sich neue Türen auf und immer die passenden, denn es gibt keine Fügungen, nur Gefügtes.

Warum quälst du dich so?
fragst du mich
und ich
kenne deinen Namen
flüster leise ja
und schweig

24.02.2021

Bjarne Mädel ermittelt im Hörspiel zum zweiten Mal als Kommissar Sörensen. Irgendwann kommt ein Nachbar ins Spiel, ein Freerk mit dem Nachnamen der Nachbarn meines Elternhauses, aber während ich mich noch Frage, wie seine Stimme wohl klingen und welche Rolle er in der weiteren Geschichte noch haben wird, ist er auch schon tot. Doch sein Tod ist für die Geschichte gar nicht entscheidend. Später sagt sogar eine Figur über ihn, es sei zwar bedauerlich, aber Freerk sei halt auch schon immer nicht mehr als eine arme Sau gewesen. Das war es mit Freerk, danach taucht er nicht mehr auf. Was für eine Kränkung. Der Nachbar, der nur existiert, um die Geschichte voranzutreiben und tot ist, bevor er zu hören ist. Angsteinflößend, aber auch befreiend. So nackt auf die Straße gestoßen gibt es auch nichts mehr zu verlieren. Das auf dem Fahrrad im Straßenverkehr zu denken ist natürlich der völlig falsche Moment.