Bjarne Mädel ermittelt im Hörspiel zum zweiten Mal als Kommissar Sörensen. Irgendwann kommt ein Nachbar ins Spiel, ein Freerk mit dem Nachnamen der Nachbarn meines Elternhauses, aber während ich mich noch Frage, wie seine Stimme wohl klingen und welche Rolle er in der weiteren Geschichte noch haben wird, ist er auch schon tot. Doch sein Tod ist für die Geschichte gar nicht entscheidend. Später sagt sogar eine Figur über ihn, es sei zwar bedauerlich, aber Freerk sei halt auch schon immer nicht mehr als eine arme Sau gewesen. Das war es mit Freerk, danach taucht er nicht mehr auf. Was für eine Kränkung. Der Nachbar, der nur existiert, um die Geschichte voranzutreiben und tot ist, bevor er zu hören ist. Angsteinflößend, aber auch befreiend. So nackt auf die Straße gestoßen gibt es auch nichts mehr zu verlieren. Das auf dem Fahrrad im Straßenverkehr zu denken ist natürlich der völlig falsche Moment.
23.02.2021
„Kann man in diesem Haushalt noch nicht mal eine Tüte Schokomandeln an einem Nachmittag verhaften, ohne dafür ausgelacht werden oder was? Genau so wird doch Zuckerverstecktverhalten und heimliches Müllverschwindenlassen begünstigt. Habt ihr aus dem antifaschistischen Versagen der letzten 20 Jahren gar nichts gelernt? Gesundheit ist eine intersektionale Angelegenheit!“
Meine These: Der Gesamtzuckerkonsum bleibt immer gleich. Wenn irgendwo gefastet wird, dann schichtet der Kosmos um. Ich nasche für eure Enthaltsamkeit.
22.02.2021
„Wirst du eigentlich auch immer so pathetisch und melancholisch, wenn du müde bist?“
Er blickt in seine Handy-Notizen vom Montagnachmittag nach einem verkürzten und stressigen Wochenende: „Der Kopf platzt mir, aber wenn ich hinhöre, versuche, mich darauf zu konzentrieren, Ordnung zu schaffen, dessen habhaft zu werden oder es wenigstens in all seinem durcheinander aus mir herausfließen zu lassen, dann ist da nur noch diese ohrenbetäubende Leere und hektische Erschöpfung…“
„Ich doch nicht!“
21.02.2021
Wir scheißen auf posttraditionelle Bedarfsgemeinschaften, Teams mit starken Persönlichkeiten und neoliberale Selbstverwirklichungsindividuen. Wir rufen vom Balkon die Republik der Komplizen und Gefährten aus.
Es regnet Schweiß und Blut und vielleicht versteht niemand, was du da mit angehaltener Luft schreist und lachst, aber sie spüren es. Zumindest an den Glauben musst du dich klammern, wenn du dem Nachthimmel irgendetwas entgegensetzen willst.
Nur in Geschichten können die langweiligen Wüstenmärsche eines Abenteuers in ein paar Absätzen abgehandelt werden, also musst du selber der Geschichtenerzähler sein.
20.02.2021
Ich kaufe überstürzt viel zu viel Kuchen. Mein Geld reicht gerade eben so. Und unmittelbar danach, eigentlich noch beim Bezahlvorgang, fällt mir natürlich auf, dass ich das nur tue, um mir selber das Gefühl zu geben, den anderen zu Hause und mir etwas Gutes zu tun. Wenn es mir wirklich darum gegangen wäre, eine Freude zu machen, dann hätte ich erst darüber nachgedacht, wer gerade mehr oder weniger vegan ist, wer zuckerfastet und welchen Kuchen ich eigentlich gerne mag, bevor ich drauflos kaufe. Ertappt.
19.02.2021
Die Jalousien sind herunter gelassen, aber durch das Fenster der Tür sehe ich, dass vor dem Tresen bereits die Kameras für den Kneipenquiz-Livestream aufgebaut sind.
„Hallo, ich bin hier, um eine Flasche Mexikaner abzuholen.“
„Ah cool, zu welchem Team gehörst du?“
„Zu keinem, aber ich habe mir den Horizont verloren und das auf Facebook gesehen und dachte, das passt.“
„Achso. Wir hatten leider keine Kornflaschen mehr, darum in einer Wasserflasche.“
„Kein Problem. Cool danke.“
18.02.2021
Meinen Spotanvortrag zum Eisvogel halte ich mit meiner „jeder im Klassenzimmer soll mich noch hören, auch die, die nicht aufpassen wollen“-Stimme, die leider nicht so viele Nuancen hat, dafür aber Druck und mehr ist beim Joggen ja wohl auch nicht zu erwarten. (Schon wieder ein Eintrag zum Laufen, aber sonst passiert ja nichts, also es passiert viel – in der Innenwelt – aber die Außenwelt bewegt sich halt träge durch die immer gleichen Eindrücke.) Am Nachmittag bekomme ich personalisierte Werbung für ein Notizbuch der Marke Eisvogel, und ich frage mich, ob sich solche Schlagwortwerbug lohnt, also ob Menschen, die Eisvögeln hinterher recherchieren, auch öfter Notizbücher kaufen.